Wahrheit oder Lüge

Rücken an Rücken
Beglücken uns die Tücken.

Hand an Hand
Spannt das stählerne Band.

Dicht an dicht
Dringt kein Licht
Dazwischen.

Denn eng verbunden
Dringen unsere Worte
Auch an entlegene Orte.

Dort werden sie empfunden:

Ein paar als Lüge
Ohne Bezüge,

Die Schar als wahr
Sind ja ganz klar!

Aber ist die Wahrheit nicht komplex?
Während gelogen wird im Reflex?
Ist Klarheit nicht ein Problem?
Sollten wir nicht besser hinsehen?

Rücken an Rücken,
Hand an Hand,
Dicht an dicht –
Verrat‘ es nicht!

Ein Wort macht den Unterschied.
Ein Wort singt den Abschied.
Ein Wort ändert das Lied …

Wahrheit und Lüge
Stehen Rücken an Rücken.

Wahrheit und Lüge
Gehen Hand an Hand.

Wahrheit und Lüge
Sind dicht an dicht.

Sie verdecken uns erpicht
Die Sicht.
Sie sind das Gericht
Ohne Gesicht.
Es entspricht ihrer Pflicht
Uns schlicht

Zu verwirren.
Denn wir sollen uns unser eigenes Urteil
Bilden.

B: Die Lüge im Spiegel

„Guten Tag. Mein Name ist Lia- Nein. Ich meine, ich heiße Lian- Argh! Es freut mich, euch kennenzulernen. Ich bin Lia-“, wütend fuhr sie sich durch die offenen Haare und wandte sich vom Spiegel ab.

„Liane. Liane. Liane. Lian… Lili-“

Hastig biss sie sich auf ihre Zunge. Nein. Sie war nicht Lilith. Sie war Liane. Benannt nach der Mutter ihres Vat-

Vat-

Vate-

Erschöpft ließ sie sich auf ihr neues Bett fallen. Auf dieses neue Bett. In diesem viel zu großen Zimmer. In diesem viel zu großen Haus. In diesem Haus, das sie von Isa Silver geerbt hatte. Von Isa Silver, die ihre Mutter gewesen sein sollte. Die sich nicht wie ihre Mutter anfühlte … Es fühlte sich so falsch an. Alles fühlte sich so falsch an!

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Fujis Unglauben

Die Erde drehte sich? Bitte was? Wie war das möglich? Wie sollte sich etwas so Großes drehen können? Und wie sollten die Sterne auch am tagsüber im Himmel stehen können? Immerhin sah Fuji sie nicht. Und müsste er sie nicht erblicken können?

Nein. Das konnte nicht stimmen!

Aber sie wussten, dass er der Sonne gefolgt war. Und dass, obwohl die vergessliche Sonne nicht einmal ihre eigene Reise mitbekommen hatte! Sie hatte Fuji ja bis zu ihrem Untergang widersprochen. Aber wenn die Erde sich drehte … Es könnte eine Erklärung für das Verhalten des gewaltigen Himmelskörpers sein. Egal, wie abwegig diese auch erschien.

Ob er den Worten trauen konnte?

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B: Glück im Unglück im Glück?

Er knotete sich seine Krawatte um. Kein Kleidungsstück, das er mit Freuden trug. Es würgte ihn zu sehr. Es erstickte jedes Freiheitsgefühl im Keim. Und es zwang ihm eine weitere Verkleidung auf … Jedoch musste Chem Wak sich damit abfinden. Immerhin erleichterte es sein Leben ungemein.

Seufzend zerrte er seinen Anzug zurecht. Es war ein aussichtsloser Kampf. Zumindest für die Gestalt im Spiegel. Ein Fremder schaute aus der kühlen Scheibe zurück. Er begegnete seinem Blick. Er sah verloren-

Chem Wak wandte sich ab.

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K: Lieber Niklas

Niklas beobachtete seine älteste Stiefschwester unsicher. Er hatte sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Viel zu selten kam sie ihr altes Waisenhaus besuchen! Aber heute, zum Geburtstag ihrer Betreuerin und einem seiner anderen Stiefbrüder, zum Jahrestag ihres Waisenhauses, war sie endlich wieder nach Hause zurückgekehrt.

Lachend saß sie mit all den anderen Kindern, den Freunden aus dem Dorf und einigen ehemaligen Waisen an einem riesigen Tisch. Links von ihr hockte das jüngere Geburtstagskind, Florian, auf einem kippelnden Stuhl und erzählte von all den Dingen, die sie verpasst hatte. Rechts von ihr lauschte der ebenfalls ausgezogene Tom den prachtvollen Erzählungen. Auf ihrem Schoß hüpfte die zweijährige Lisa glucksend auf und ab. Letztere verlangte Lieder. Musik. Aufmerksamkeit.

Und Janine gab sie dem Kind genauso herzlich, wie sie es einst bei Niklas getan hatte.

Viel zu lange lagen diese Erinnerungen zurück.

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