Das war schon immer so!

Zum Frühstück gibt es Brötchen.
Mittags etwas Warmes.
Um vier Kaffee und Kuchen.
Abends etwas Kaltes.

Das war schon immer so!

Gearbeitet wird behände.
Von Montag bis Freitag.
Bloß nicht am Wochenende.
Bloß nicht am Feiertag.

Das war schon immer so!

Den Vater lobt man auf jedem Schritt.
Die Mutter bekommt dafür den Tritt.
Die Großeltern machen alles gut.
Die Kids sind die unwissende Brut.

Das war schon immer so!

Kinder dürfen keine Entscheidungen fällen.
Jugendlichen wird jede Wahl abgesprochen.
Erwachsene würden alles richtig erhellen.
Die senilen Alten sind eh zerbrochen.

Das war schon immer so!

Jedes Muster gehört aufgebrochen.
Jedes Vorurteil fortgeworfen.
Nichts davon ist versprochen.
Ein jedes wurde falsch entworfen.

Können wir es anders machen?

Manches mag uns klein erscheinen.
Als unwichtig mag man es beschreiben.
Dabei lässt jeder Stereotyp Personen leiden.
Niemand ist hierbei zu beneiden.

Können wir es anders machen?

Warum sollte Kaffee nicht um drei gehen?
Warum sollte die Arbeit samstags stehen?
Warum sollten wir Eltern getrennt betrachten?
Warum sollten wir des Kindes Worte missachten?

Können wir es anders machen?

Nicht jeder Apfel ist rund und rollt.
Nicht jeder Dank ist auch erfolgt.
Nicht jedes Lächeln ist gewollt.
Nicht jedes Wort ist Gold …

Können wir es bitte anders machen?

Veröffentlichung von Kriegsheim: Sterbende Traditionen

Nächste Woche (am 24.05.) erscheint der dritte Band von Kriegsheim. Zeit zu feiern? C:

©Medra Yawa

Auch diesmal ist eine Tür auf dem Cover abgebildet. Und nachdem ich Euch auf den vorherigen jene von Valerie und Alice vorstellen konnte, so ist nun Maggies dran. Da Maggie allerdings eine sehr offene Person ist, besitzt sie keine klassische Tür, sondern ein großes Blatt, das aus dem Rahmen wächst. Und da ihre Affinität im Holz liegt, erschafft sie auch ihre eigenen Mohnblumen, um sich notfalls zu beruhigen.

Buchtrailer

Passend zu dem neuen Buch, hat mir mein Mann (©Sebastian Flick) wieder einen Buchtrailer gezaubert. Was sagt ihr dazu?

©Sebastian Flick

Medra

Märchenstunde: Die Nachfolgesuche I

Domini war einer von insgesamt vierundzwanzig Geschwistern, die sein Vater mit neun verschiedenen Frauen gezeugt hatte. Das war in ihrer Familie so üblich. Ihre Mütter hatten es stets beteuert. Nur so wären genug Kandidaten vorhanden, um den besten Erben für den Berg zu finden. Es durfte immerhin kein Kranker an die Macht kommen. Kein Dummer. Kein Unfähiger.

Am Ende durfte nur einer von ihnen überleben.

Aus diesem Grund pflegten Domini und seine Geschwister keinen Kontakt miteinander. Von den meisten kannte er nicht einmal die Namen. Nur die Gesichter. Man sah sich tagtäglich: Beim Reden mit dem Berg, im Unterricht, während der Mahlzeiten … Ihr Vater selbst hielt sich eher bedeckt. Der fette Mann hatte nur Augen für die Schatzkammer und seine Begierden. Meist fand man ihn bei einer seiner Frauen oder inmitten seines Reichtums. Es war ein einziges Wunder, dass Domini nicht noch mehr Geschwister hatte – so oft, wie sich der arrogante Kerl seinen Gelüsten hingab …

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M: Die Dinos

Philip wusste nicht mehr, wann die Tradition in ihrer Familie Fuß gefasst hatte. Sie war irgendwie schon immer Teil seines Lebens gewesen. Seit er gar denken konnte! Nur dafür verabschiedete er sich jeden Abend von seinen Plastikdinos und wünschte ihnen eine erfolgreiche Nacht. Anschließend holte er sich seine Gute-Nacht-Küsse ab und eilte ins Bett, damit die Dinos ihre eigenen Abenteuer erleben konnten.

Mittlerweile wusste Philip, dass die Spielzeuge nachts nicht lebendig wurden. Er wusste, dass sein Dad die Spielzeuge jeden Abend neu platzierte. Er wusste, dass sein Papa manchmal ganze Kulissen aufbaute. Er wusste, dass all die Reisen seiner kleinen Dinos nur Märchen waren. Fantasievolle Geschichten, die nichts mit der Realität gemein hatten. Er wusste es, seitdem er in die Schule ging. Seitdem er dort von den Wichtelmännern und Osterhasen gehört hatte. Das hatte ihm die Augen geöffnet.

Dennoch hatte er sich weiterhin jeden Morgen auf ihre Tradition gefreut.

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K: Ein Teller voll Traditionen

„Du musst mit ihr reden!“, verlangte Casper, noch ehe er in der Küche preschte.

„Warum diesmal?“, fragte Janice, während sie die letzten Zutaten in den Tomatensalat warf.

„Deine Schwester hat schon wieder Essen auf die Terrasse gestellt! Das lockt wilde Tiere an!“, aufgebracht trommelte ihr Mann auf dem Tisch herum.

„Es ist Tradition, dass-“

„Tradition dies, Tradition das. Das ist doch alles nur Unfug!“

Janice sah auf. In diese harten Augen, die eh alles nur für dummen Aberglauben abtun würden. Er würde ihr nicht zuhören. Nicht hierbei. Dafür war er zu stur. Genauso wie ihr Vater einst.

Genauso wie ihre Nichte nun …

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