Kälte

Wärme ist sanft, ist schützend.
Sie gibt Leben, gibt Streben.
Gar viele würden sie nützen –
Existieren nur mit ihren Stützen.

Die Sonne spendet Kraft.
Mit teilender Weile
Senden ihre Strahlen Macht –
Eine einzige Pracht!

Anders ist ihr Gegenpart
Von vollkommen anderer Art.
Wie der Mond über den Himmel scharrt,
Auf schwankender Fahrt.

Denn sein Licht ist gestohlen.
Die Rückseite verdorben.
Das Herz erfroren.
Seine Kälte ermordend.

So mögen zwar Wunder heilen,
Doch wird dieses Licht im Dunkeln verweilen.
Für die Kälte fordert einen Mord,
Sie fordert den eisigen Tod.

AdHdEk: Prolog – Alles und Nichts

Als der Himmel die Erde küsste, regierte Zwielicht die Welt. Zwielicht, das weder dem einen noch dem anderen gehörte.

Es war hell und klar und …

… auch wieder nicht.

Es war kalt.

Und es war warm.

Es war da.

Und es war fort …

Es war ein ewiger Kampf. Ein ewiges Gefecht. Etwas, das wie das eine erschien und das andere offenbarte.

So wurde aus Nichts Alles.

Und aus Allem Nichts.

So ward das Eine Alles.

Und so ward das Eine Nichts.

So ward alles Andere Alles.

Und so ward alles Andere Nichts.

In diesen Gegensätzen erblickten sie das Licht der Welt.

Leben und Tod.


Mal ein kurzer Auszug aus meinem NaNoWriMo Projekt von 2018, „Als der Himmel die Erde küsste“.

K: Die Umzüge nach den Ammenmärchen

Jessica Naar war genervt. Sie war genervt und wütend. Sauer auf den Tag. Sauer auf ihre Mitschüler. Sauer auf sich!

Ihre Schultasche flog in eine Ecke ihres winzigen, schäbigen Zimmers. Sie warf ihre Schlüssel hinterher, kickte ihre Schuhe neben ihr Bett und ließ sich seufzend darauf fallen. Dann ballte sie ihre Hände zu Fäusten. Entspannte sie wieder. Zählte im Kopf von dreißig runter.

Die Naar kannte das Prozedere. Sie wusste, was heute noch folgen würde. Was immerzu folgen würde. Immerhin war ihr bewusst, dass sie selbst für eine Stadt wie Merichaven den Bogen überspannt hatte. Dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis ihre Mom-

„Alles in Ordnung, Jessi?“

Da stand die Frau auch schon in ihrer Zimmertür. Wenn man das schiefe Holz überhaupt als solches bezeichnen konnte. Immerhin ließ es sich nicht einmal schließen! Besorgt sah sie zu Jessica hinüber und wirkte derzeit weder frustriert noch wütend.

Also hatte die Schule noch nicht angerufen?

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Die kleine Wolke Fuji

Es war einmal eine kleine Wolke. Sie war plötzlich da. Entstand einfach. Wusste nicht woher sie kam oder wohin sie sollte …

„Nun denn“, entschied diese kleine Wolke, als sie die Welt unter sich erblickte, „Ich möchte überall hinfliegen. Ich möchte groß träumen. Und niemand wird mich aufhalten!“

Sobald die kleine Wolke jedoch die Worte gesprochen hatte, erklang eine ältere Stimme. Rau und grummelig hallte sie in den Ohren der Wolke wider.

„Haha. Lieber Jüngling“, bemerkte die Sonne, „Das Leben ist bitter. Träum nicht zu viel – du wirst nur enttäuscht werden. Ziel nicht zu hoch – du wirst eh nur fallen. Versuch am besten nichts – du wirst es sowieso nicht schaffen!“

„Woher willst du das wissen?“, bemerkte die kleine Wolke trotzig, wenngleich sich Zweifel in ihr Herz geschlichen hatten.

„Der, der am höchsten steht,“, entgegnete die Sonne und küsste den Horizont, „fällt am tiefsten.“

Damit war sie verschwunden. Und mit ihr das Licht.

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IKdJ: Prolog – Namensfrage

Tod

Was ist ein Name?, fragte sie erschöpft. Ihre violetten Augen flatterten wild umher und ihr silbriges Haar hing ihr verschwitzt ins Gesicht.

Er hielt inne, ehe er sich ihr vollends zuwandte.

Es war wieder soweit.

Ein Name ist nur ein Wort, log er, Es ist nichts, um das man sich Sorgen müsste. Es ist eine einfache Beschreibung, gefangen in strikten Buchstaben oder Zeichen … ohne die Spur einer Seele.

Aber dann … Warum befehligen sie solche Macht?, klang ihre Stimme schwach hinüber, als sie versuchte, sich an ihrem so verzweifelt festzuklammern.

Ein Name besitzt keine Kraft. Zumindest nicht anfangs. Wir gaben ihnen Macht. Deswegen können wir die Illusion des Namen nicht sehen, dafür aber die Person dahinter, eine kalte Stille folgte seiner Erklärung.

Ist das der Grund, warum du Tod wurdest?

Aber Tod schwieg, als er mit seiner gewaltigen Sichel ausholte und sie in ihr winziges Herz rammte.

Er hatte nie eine andere Wahl…

…als Leben zu töten.


Das ist aus dem NaNoWriMo 2017. Mein erstes Projekt, dass einfach nur Spaß- und Motivationszwecken diente. Wow! Sowas war ja mal nötig!