B: Zwischen Traum und Erinnerung

„Du und Oli?“, hinterfragte ihr Vater zum vierten Mal.

Mittlerweile nickte Liane nur noch still, während sie sich ein Stück Gurke in den Mund steckte. Es war sinnlos, die Wahrheit zu leugnen. Immerhin hatte ihr Vater gesehen, wie Oliver sie nach Hause gebracht hatte. Ungeduldig hatte er auf sie gewartet. Er hatte sie erwartet gehabt. Sie. Nicht ihre Begleitung. Nicht den Kuss.

Dabei hatte letzteres sie ebenso überrumpelt.

„Hatte er dir …?“, unschlüssig wedelte ihr Vater mit den Armen umher und warf dabei fast seinen Teller vom Tisch. Er hatte sein Abendessen noch nicht angerührt. Stattdessen kämpfte er mit jedem zweiten Satz.

Angespannt hielt sie diesmal inne: „Was meinst du?“

„Deine Freundin. Die neulich hier war. Shiwo? Shino?“

„Shiloh“, korrigierte das Mädchen vorsichtig.

„Genau! Sie sprach von Liebeskummer und-“

„Nein“, abrupt stand Liane auf, „Lass es. Das ist … Das ist meine Sache, in Ordnung? Ich mache das allein.“

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Sprachen

Der eine sagt hola.
Die nächste hallo.
Ein jeder kennt hello.
Drum frag‘ ich: Wieso?

Gamarjoba und kia ora
– kaum bekannt.
Nǐn hǎo und konnichiwa
– entfernt verwandt.

Der eine sagt jenes.
Die nächste nimmt dieses.
Ein jeder kennt solches.
Ehm. Stopp. Welches?

Sprachen klingen so lieblich,
Sterben gar so kläglich,
Da nur Bekanntes überlebt
Und der Rest verweht.

Dabei fangen wir alle
Ganz ahnungslos an.
Wir spielen alle

ECHO! Echo. Echo …

Bis ein jeder es kann.

Manche kreieren dabei ganz eigene Sprachen.
Kreative Lieder, die hervorstachen.
Mit ihrer Eleganz

Für die einen Firlefanz
Wegen fehlender Toleranz
Wegen fehlender Akzeptanz.

Woher diese Arroganz?

Lasst uns mit der Sprache spielen.
Lasst sie uns mit viel zu vielen
Wundern verzieren.

Und lasst sie leben.
Um neue Sprecher streben.
Um sich
– Stück für Stück –
zu verweben

Um zu überleben.

B: Glück im Unglück im Glück?

Er knotete sich seine Krawatte um. Kein Kleidungsstück, das er mit Freuden trug. Es würgte ihn zu sehr. Es erstickte jedes Freiheitsgefühl im Keim. Und es zwang ihm eine weitere Verkleidung auf … Jedoch musste Chem Wak sich damit abfinden. Immerhin erleichterte es sein Leben ungemein.

Seufzend zerrte er seinen Anzug zurecht. Es war ein aussichtsloser Kampf. Zumindest für die Gestalt im Spiegel. Ein Fremder schaute aus der kühlen Scheibe zurück. Er begegnete seinem Blick. Er sah verloren-

Chem Wak wandte sich ab.

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