M: In der Sommerhitze I

Johnny streckte die Arme auf dem Rückweg zu seinem Postengen Himmel. Das Tournier des Stromjungen war so langweilig gewesen! Daher waren ihm schon fast in der Turnhalle die Augen zugefallen. Hinzu kam das Mittagstief in der brütenden Julihitze, welches eine Pause des langen Tages verlangte. Was würde er nur dafür tun, mit Sissy zu tauschen! Sie hatte immerhin derzeit die Nachtschichten für die Überwachung der Stroms.

Erschöpft ließ er seinen Requisitenbeutel fallen, lehnte sich gegen seinen Laternenpfosten und starrte in das Blätterdach über ihn.

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M: Verzweifelte Suche II

„Warum?“

Das Mädchen blinzelte Michael an. Sie schien sich selbst unschlüssig zu sein. Beinahe, als hätte sie ihn ganz vergessen. Als wäre ihr gar nicht klar gewesen, dass er ja hier war. Dass sie ja ihm geholfen hatte!

„Warum nicht? Soll ich dich etwa verbluten lassen?«, erkundigte sie sich und sammelte den Müll auf.

„Das hätten zumindest andere gemacht, lil‘ angel“, entglitt ihm lachend.

„Warum nennst du mich so?“

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M: Verzweifelte Suche I

Michael wollte schreien! Er hatte seinen Weg zurückverfolgt. Jeden einzelnen Schritt. War wieder über die Mauer gestiegen. War dahinter kurz zusammengebrochen. Hatte sich dennoch zusammengerissen. Hatte die Schmerzen verdrängt, die die Tabletten noch nicht bändigen konnten. War sogar fast wieder in das Haus eingebrochen, in dem er den verrückten Polizisten zurückgelassen hatte, um dort nochmal nach seiner Kette zu suchen!

Doch vereitelte ein Nachbar seine Pläne. Er hatte den Verrückten gehört. Hatte die restliche Polizei verständigt. Jene Personen, vor denen Michael sich verstecken musste …

Erschöpft lehnte er sich gegen einen Baum ein paar Grundstücke weiter.

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M: Michaels Kette

Zischend lehnte Michael sich gegen die Mauer. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Er war so kurz davor gewesen, endlich Antworten zu bekommen! Und dann hatte er nur einen Moment nicht aufgepasst …

Er schloss die Augen und lauschte in sich hinein. Spürte, wie das Blut durch seine Ohren pochte. Obwohl er seinen rechten Arm noch bewegen konnte, so fielen die Bewegungen langsamer aus. Stockender. Schmerzhafter.

Michael presste die linke Hand auf seinen provisorischen Verband. Er hatte sein Shirt zerrissen und umständlich um seinen Oberkörper gebunden. Unter dem Mantel würde man es eh nicht sehen. Und solange der Durchschuss keine zu große Blutspur hinterließ, würde es hoffentlich niemanden auffallen.

Dabei hatte sich bereits eine kleine Pfütze dort gebildet, wo er sich so verrenkt verbunden hatte …

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M: Falsche Anschuldigungen

Marie war sieben Jahre alt, als sie zum ersten Mal Geld aus der Börse ihrer Mutter stahl. Es kam einfach so über sie. Sie hatte Eis mit Diana essen gehen wollen und nicht mehr genug Taschengeld gehabt. Also hatte sie sich einfach ein paar Scheine von ihrer Mutter genommen. Das restliche Geld hatte sie für neuen Nagellack ausgegeben. Weil er ihrer Freundin so gefiel. Sie hatten die Flaschen untereinander aufgeteilt. Und am nächsten Tag wollten sie ihre Kunstwerke miteinander vergleichen.

Es war ein wunderbarer Ausflug gewesen! Marie hatte nicht einmal ein schlechtes Gewissen gehabt. Sie hatte wirklich nicht bemerkt, dass sie etwas falsch gemacht hatte. Erst als Sophie von ihrer Mom des Diebstahls bezichtigt wurde, fiel ihr auf, dass sie ihre Mutter ja gar nicht gefragt hatte. Dass sie sich einfach bedient hatte. Dass nun ihre Schwester den Ärger abbekam …

Und es fühlte sich gut an.

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