M: Michaels Kette

Zischend lehnte Michael sich gegen die Mauer. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Er war so kurz davor gewesen, endlich Antworten zu bekommen! Und dann hatte er nur einen Moment nicht aufgepasst …

Er schloss die Augen und lauschte in sich hinein. Spürte, wie das Blut durch seine Ohren pochte. Obwohl er seinen rechten Arm noch bewegen konnte, so fielen die Bewegungen langsamer aus. Stockender. Schmerzhafter.

Michael presste die linke Hand auf seinen provisorischen Verband. Er hatte sein Shirt zerrissen und umständlich um seinen Oberkörper gebunden. Unter dem Mantel würde man es eh nicht sehen. Und solange der Durchschuss keine zu große Blutspur hinterließ, würde es hoffentlich niemanden auffallen.

Dabei hatte sich bereits eine kleine Pfütze dort gebildet, wo er sich so verrenkt verbunden hatte …

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M: Falsche Anschuldigungen

Marie war sieben Jahre alt, als sie zum ersten Mal Geld aus der Börse ihrer Mutter stahl. Es kam einfach so über sie. Sie hatte Eis mit Diana essen gehen wollen und nicht mehr genug Taschengeld gehabt. Also hatte sie sich einfach ein paar Scheine von ihrer Mutter genommen. Das restliche Geld hatte sie für neuen Nagellack ausgegeben. Weil er ihrer Freundin so gefiel. Sie hatten die Flaschen untereinander aufgeteilt. Und am nächsten Tag wollten sie ihre Kunstwerke miteinander vergleichen.

Es war ein wunderbarer Ausflug gewesen! Marie hatte nicht einmal ein schlechtes Gewissen gehabt. Sie hatte wirklich nicht bemerkt, dass sie etwas falsch gemacht hatte. Erst als Sophie von ihrer Mom des Diebstahls bezichtigt wurde, fiel ihr auf, dass sie ihre Mutter ja gar nicht gefragt hatte. Dass sie sich einfach bedient hatte. Dass nun ihre Schwester den Ärger abbekam …

Und es fühlte sich gut an.

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M: Ein böser Traum

Marie ließ ihre Füße den Weg wählen. Sie wusste eh nicht, wo sie war, wo sie hin sollte, wo sie hin konnte. In Merichaven sah alles so grau aus. So grau und trist und dreckig und verloren. Wie sollte sie da den richtigen Weg finden? Der, der sie in Sicherheit brachte. Nach Hause …?

Tyler hätte es gekonnt.

Schnell verdrängte Marie die kleine Stimme in ihrem Kopf. Sie schaute lieber gen Himmel. Zu den Seemöwen, die dort ihre Runden drehten. Sie segelten im Wind. Tanzten. Kreisten. Es sah so majestätisch aus. So anders als die kleinen Vögelchen, die sie aus Raptioville kannte.

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M: Der Anfang vom Ende

Niklas grinste, als er die Verkehrsvideos beobachtete. Dort fuhr er. Matt. Er schien es eilig zu haben. Zu eilig.

Dieser dumme, dumme Kerl.

Nachdenklich gab er ein Kommando auf seinem Rechner ein. Er bezweifelte, dass sein einstiger Handlanger den Wagen gecheckt hatte. Nicht, wenn er so die Straßen runter raste. Er musste nur den richtigen Moment abpassen, um-

Enter.

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M: Abschied nehmen II

Verärgert riss Angeline das fünfte Blatt aus ihrem Schreibblock und starrte verbissen auf die neue leere Seite.

Den ersten Brief hatte sie bereits im ersten Satz abgebrochen. Beim zweiten war sie fast bis zum Ende gekommen, ehe ihre Gefühle ausbrachen. Im dritten hatte sie innegehalten, weil sich die Worte in ihrem Kopf zu kühl angefühlt hatten. Und der letzte?

Sie konnte Michael nicht schreiben, dass sie ginge und wiederkäme! Er würde sonst nach einem Grund suchen. Er wüsste, dass sie nicht in ihr Elternhaus und zu Tyler zurückkehren würde, nur um ihn nach einem Jahr wieder sich selbst zu überlassen. Es wäre zu herzlos ihrem Bruder gegenüber! Nein. Sie durfte kein Wiedersehen in Aussicht stellen. Sie musste …

Schluss machen? Ja- Nein! Doch. Sie wollte nicht! Nein! Nein! NEIN!

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