B: Die Freundschaft und das Bauchgefühl

Das Tuscheln ihrer Mitschüler verfolgte Liane den ganzen Tag über. Selbst als sie bereits auf dem Heimweg waren, hörte sie ihren oder Bettys Namen noch aus den Gesprächen am Schultor heraus.

„Das die auch keine Ruhe geben“, schimpfte Shiloh vor sich hin.

Liane nickte nur. Sie wollte nichts sagen. An ihrer alten Schule waren die Gerüchte stets gegen sie gekippt. Man hatte über sie gelästert. Sie ausgegrenzt. Sie-

„Hey. Das wird schon, ja?“, Oliver drückte ihre Hand.

Für einen Augenblick fühlte sie sich besser und sie erwiderte die Geste.

Dann kehrte der Missmut zurück.

Wie viel waren ihre Freundschaften schon wert? Bestimmt waren Shiloh und Oliver innerlich schon ganz genervt von ihr. Was, wenn sie ihren Freunden zu sehr zur Last fiele? Wenn sie ihnen irgendwann egal wäre? Bestimmt wollten sie auch mal eine Pause von ihr!

Sie wollte gerade sagen, dass sie auch allein nach Hause gehen könnte, als Shiloh abrupt stehen blieb.

„Vielleicht solltest du lieber noch nicht heim. Ich meine, wir wissen beide wie dein Vater drauf war, als du nur etwas durch den Wind warst. Wenn der Helikopter dich so sieht, rattern die Rotorblätter gleich die ganze Stadt nieder“, ihre Freundin schnitt eine Grimasse.

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M: Unter dem Regenschirm

Zitternd umschlungen Janes Arme ihren dünnen Leib. Der kühle Herbstregen durchnässte ihre Kleidung, sodass ihre Kleidung unangenehm an ihr haften blieb. Er ließ sie frösteln. Und er verbarg die Flecken, deren rostigen Farben in Merichavens Trostlosigkeit nicht aufzufallen vermochten.

Drei Blöcke entfernt erklang eine Polizeisirene.

Jane seufzte. Sie legte den Kopf in den Nacken und gab sich dem Regen hin. Sie wusste, was die Polizisten vorfinden würden. Sie wusste, warum sie diesen Horror in ihren Akten aufnehmen mussten. Und sie wusste, dass der Täter, dass sie es nicht gern getan hatte.

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