„Ich muss morgen mit Shiloh in die Kirche“, eröffnete Lilith ihrem Vater, als sie ihn morgens in der Küche vorfand, „Kannst du uns hinbringen?“
„Morgen?“, er schaute kaum von seinen Papieren auf, „In welche?“
„In die der alten Schule“, erklärte sie, „Das ist die von Tinas Vater. Am See der Tränen. Ich habe gehört, dass sie wirklich schöne Buntfenster haben und eine gewaltige Statur im See- Das möchte ich mir gerne ansehen und-“
Chem Waks Träume waren schon immer anders gewesen. Sein Kopf suchte ferne Welten auf, wenn er in die Trance fiel. Welten, die einem Menschen zu sonderbar, zu seltsam erscheinen würden. Doch für ihn? Für ein Wesen, das verdammt wurde, da es nicht die Zukunft seiner eigenen Welt sehen konnte?
Dafür jedoch die Zukunft von Liliths Heimat?
Nachdenklich musterte er die Wesen, die durch seinen Traum wanderten. Wesen, die mit Gesten und Gerüchen kommunizierten. Die Lichter ausstrahlten, um sich Gehör zu verschaffen. Die schrien. Die ihre Gedanken übertrugen ….
Chem Wak starrte auf die Nachricht von Mr. Brume. Es kam ihm verkehrt vor, dass er Liliths Nachforschungen nicht erahnt hatte. Oder beeinflussten sie die Zukunft nicht? Wäre es egal, ob sie diesen Teil der Wahrheit erfuhr? Es war immerhin nur ein winziges Fragment. Kaum der Rede wert.
Oder vielleicht doch?
Erneut las er die zwei Zeilen auf seinem Handy. Zwei Zeilen aus dem einzigen Chatgespräch, das er je geführt hatte. Alles andere ließ er lieber über seinen Fahrer abwickeln. Oder per Telefonat. Das war direkter. Und er musste sich nicht um mögliche Rechtschreibfehler sorgen.
Ich bin mit Liane auf dem Weg zu Lucas Bach. Sie glaubt, den Mann zu kennen. Ich passe auf sie auf.
Dass er auf sie aufpasste, bezweifelte Chem Wak nicht. Dass sie diesen Lucas Bach erkennen würde, war auch nicht ausgeschlossen. Doch darüber hinaus?
„Das ist alles, was ich im Stadtarchiv zu den Tunneln finden konnte“, erklärte sie Mom Mona bei der Übergabe, „Den Rest hält die Stadtverwaltung unter Verschluss.“
„Hm, das ist mehr als erwartet. Du bist ein Schatz, Cherry“, murmelte die Frau, als sie die Papiere durchging, „Ich lasse Georgie die Zugänge am Hafen morgen nochmal prüfen. Gemma will, dass die Übergabe am Mittag so reibungslos wie möglich abläuft.“
„Übervorsichtig wie eh und je“, Lisa zuckte mit den Schultern. Sie war fertig mit ihrem Teil. Damit sollte sie bis Mittwoch Ruhe haben. Wenn nichts dazwischen kam, weil wieder neue Lacks vermutet werden würden.