Vorsichtig blickte Minki nach links. Und nach rechts. Und nochmal nach links. Und um ganz sicherzugehen, lieber ein weiteres Mal nach rechts.
Erst danach hastete er durch den
Flur ins nächste Zimmer. Direkt unters Bett.
Geschafft! Wieder einmal hatte er
sich seinem Fressnapf erfolgreich um einen Raum genähert, ohne dabei in die
felllosen Hände zu rennen.
Seitdem die Zweibeiner seine Tücke mit den eckigen Bäumen erkannt hatten, hatte sich das Blatt für den Kater gewendet. Plötzlich war die Frau seines Retters so viel aufmerksamer. Sein Retter selber schien viel mehr zu arbeiten. Und deren Tochter?
Minki stolzierte mauzend an der jüngsten Zweibeinerin vorbei durch den Flur. Sein Blick glitt über das Chaos, das er erneut angerichtet hatte und für das die Felllose gerade stehen musste. Alles lag im Gang verteilt: Große Schuhe, kleine Schuhe, stinkende Tuben, Tücher, eine seltsame Bürste … Es war mühevoll gewesen, das Zeug zu verteilen, aber der Anblick war es allemal wert!
Immerhin war der Streit Musik in
seinen Ohren. Er genoss es, der Frau seines Retters zu lauschen. Wie sie mit der
Anderen meckerte. Wie das Gezeter hin und her ging. Wie sie ihn ignorierten.
Minkis Hobbys waren begrenzter Natur. Immerhin schränkte die Stadtwohnung viele seiner Freiheiten aufs Diabolischste ein. Die Fenster blieben die meiste Zeit verschlossen, die Tür nach draußen verriegelt, der Besuch fiel einfach nur mickrig aus und keiner dieser Gäste wusste seine königliche Anwesenheit angemessen zu würdigen!
Alles in allem hatte der Kater wenige Möglichkeiten, sich den Tag zu versüßen. Klar, er konnte sein Fell auf den Polstern hochwürgen oder sich Essen stehlen, Wände ankratzen, auf die eckigen Bäume klettern und dort Dinge runterkicken oder versehentlich das Katzenklo verfehlen. Aber irgendwie war der Frau seines Retters immer viel zu schnell bewusst, dass er der Übeltäter hinter alledem war.
Die alte Zweibeinerin hatte ihn so oft fluchend den Flur hinuntergejagt und mit diesen lästigen Kittelträgern oder Essensverboten bedroht. Es waren Horrorvorstellungen, auf die unser Protagonist dankend verzichten konnte.
Wie gut, dass Minki also kein gewöhnlicher Kater war. Während die meisten Exemplare seiner Art sich wohl schlafend zusammengerollt und ihr Schicksal in allen neun Leben akzeptiert hätten, so entschied er sich, stattdessen seinen Horizont zu erweitern.
Wenn auch nur, um es dieser felllosen Monstrosität heimzuzahlen.