Die Sterne der Nacht

Lehn‘ dich zurück
Und schau hoch hinauf.
Siehst du die Lichter?
Sie sind dort zu Hauf.

Die Sterne –
So winzig klein von hier.

Die Sterne –
Des Himmels wahre Zier.

Sie erleuchten die Nacht.
Strahlen mit all ihrer Pracht.
Haben immer gelacht –
Niemand hat sie im Verdacht.

Im Verdacht, ganz anders zu sein.
Im Verdacht, kaltherzig zu schein’n.
Im Verdacht, unsere Pein zu sein.

Die Himmelslichter der Nacht
Sind keine fröhliche Pracht.
Sie haben uns seit jeher ausgelacht –
Haben nie über uns gewacht.

Dabei sind wir für die Sterne banal.
Nein, wir sind ihnen gar egal.
Wir sind nicht mal eine Wahl!
Wir sind nur unbedeutender Dreck.
Der vor ihren Augen verreckt.
Der sich nicht mal versteckt!

Das haben wir selbst vollbracht.

Von zwei Seiten

Ausgehend von links,
Ausgehend von rechts,
Treffen sich beiderlei Schritte
Auf des Übergangs Mitte.

Die Brücke verbindet unsere Seiten,
Sie lässt uns hinüberschreiten.
Denn nirgends sonst ist ein Weg,
Und nirgends sonst ist ein Steg,
Über das endlose Gewässer
Mit Steinen wie Messer.

Fordernd recken sie sich empor,
Schauen aus Wellen hervor.
Sie besiegeln das Ende,
Wenn ich mich abwende,
Wenn das Geländer nicht wär‘,
Wenn ich die Lücken verehr‘ …

Schluckend blicke ich fort,
Sehe in der Ferne dein Ressort.
Es steht am Ende der Brücke,
Hinter der einst so weiten Lücke,
Die ich nun überbrücke!

Aber der Übergang ist federig.
Der Übergang ist wackelig.
Der Übergang ist moderig-

Auf meiner Seite.

Bei dir sieht es anders aus.
Bei dir fehlt der düst’re Graus.
Dort glänzt Marmor wie Mondenschein,
Während mein Holz hier vor Pein

Schreit,
Weint,
Stirbt …

Die Brücke hat zwei Pfeiler,
Zwei Seiten die sie stützt,
So wird der Übergang beschützt.

Die Brücke hat zwei Pfeiler,
Zwei Seiten – von jedem eine,
Zwei Seiten – auch von mir eine.

Die Brücke hat zwei Pfeiler,
Der drüben ist perfekt,
Während meiner schon verreckt …

Die Realität

Rufen tat mich keiner
Und dennoch bin ich da.
Ich schmerze meinen Nächsten –
Egal ob klein, ob Schar.
~Die Pein

Rufen tat mich keiner
Und dennoch steh‘ ich hier.
Ich bringe dunkle Stunden
Jedem – sogar dir.
~Die Verzweiflung

Rufen tat mich einer
Ohne zu verstehen:
Mein Nehmen ohne Geben
Verdient kein Wiederseh’n.
~Der Krieg

Mich rufen ach so viele,
In Kummer, Glück und Tod
Wünschen sie sich Wärme,
Mein Licht in jeder Not.
~Die Liebe

Mich rufen ach so viele
Am Ende ihrer Kraft,
Sie hängen an dem Schimmer,
Träumen von einer höheren Macht.
~Die Hoffnung

Rufen tun mich alle
Und nehm’n sich Hand an Hand.
Doch stolpert auch nur einer,
Zerreißt das edle Band.
~Der Frieden

Drum stehe ich daneben
Male alles schwarz und weiß,
Werd‘ nicht angerufen,
Denn ich offenbare jeden Preis.
~Die Realität

Am Abgrund

Ernste Themen sollten nie totgeschwiegen werden.
Deswegen schreibe ich in meine Gedichte ja seit jeher in einem eher düsteren Unterton. Diesmal fühle ich mich jedoch verpflichtet, hierbei eine Triggerwarnung zum Thema Suizid rauszugeben.

Bitte seid gewarnt und geht verantwortungsbewusst mit dem Inhalt/Weiterleiten um.

Beste Grüße
Medra

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ZHuF: Prolog – Schmerzende Realität

Einmal ab.

Einmal ran.

Einmal raus.

Einmal rein.

Linksherum.

Rechtsherum.

Weil ich‘s kann!

Leben sang. Sie sang mit wiedergefundener Neugier. Mit Aufregung. Mit solchem Lebenswillen, dass sie sich selbst beinahe nicht wiedererkennen konnte.

Lachend beugte sie sich näher an die andere heran. Sie beäugte ihren Schmerz. Ihre Verzweiflung. Die stummen Bitten einer Verstümmelten.

Für wozu sollte ihr Spielzeug sprechen können?

Für wozu sollte es laufen können?

Für wozu sollte es frei sein?

Sie schenkte ihrem Spielzeug neues Licht, neue Kräfte und schenkte ihm einen Augenblick der Genesung.

Dann ging es weiter.

Es lebte, um ihr zu dienen!