K: Bitte sag nichts!

„Du musst es multiplizieren.“

„So?“

„Nein. Multiplizieren, nicht raten.“

„Ich rate nicht.“

Annika sah zu ihren älteren Stiefgeschwistern rüber. Sie gaben ein seltsames Bild ab. So verschoben! Dort saß Maggie – mit einem grauen Halstuch über den Schultern und einem ratlosen Blick auf ihrem Gesicht. Ungeduldig rollte sie den Stift in ihrer Hand hin und her, während Niklas ihr die Mathehausaufgaben erklärte.

„Wie multiplizierst du schriftlich?“, fragte er gerade seufzend.

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K: Ich kenne keine Mama

„Ach, Flo…“, begrüßte Janine den Jungen seufzend, als sie ihn fand.

Schniefend drückte er seine Jokerfigur doller gegen die Brust. In diesem Moment hätte er alles dafür gegeben, dass sie ihn einfach nur sich selbst überließ.

„Lass mich in Ruhe!“, forderte er verweint. Doch kümmerte es sie nicht. Gelassen kletterte Janine über die vergessenen Tüten mit Dekorationen und alten Kleidern zu ihm in die hinterste Ecke der Nische. Gelegentlich fluchte sie über irgendeinen Gegenstand, der sich in der Dunkelheit des Zimmers versteckte. Ansonsten gab sie keinen Laut von sich.

Florian zog seine Knie näher an seinen Körper. Er hatte dieses Versteck doch ausgewählt, weil es nicht gut zu erreichen war. Hier – so hatte er gehofft – würde man ihn als letztes suchen. Hier hätte er seine Ruhe. Und hier müsste er keine dummen Fragen beantworten!

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Getaway: Brief

Am 10. Mai 2020 wird Merichaven: Getaway erscheinen und die Handlung von Kidnapped zum größten Teil abschließen.

Passend dazu präsentiere ich Euch hier den nächsten Brief, der die Inhaltsangabe für das Buch ersetzen wird.

© Medra Yawa

Die Transkription wird sich erneut mit im Buch befinden. Ansonsten möchte ich Euch noch einmal an die Lesung zu Merichaven: Getaway am 09. Mai über den Discordserver, Der Fluss der Fantasie, erinnern. Vielleicht habt ihr ja Zeit, reinzuhören C:

Oh, je. Ich hoffe, dass ihr bereits auch so aufgeregt seid, wie ich es bin! Mein Flummimodus ist nun schon seit Tagen aktiviert! CX

Viel Spaß beim Lesen C:

Beste Grüße
Medra

PS: Ich freue mich über jede Rezension CCC:

K: Ich sehe nichts

Das Geschrei hatte sie geweckt.

Verschlafen rollte sich Anja auf die Seite. Sie starrte auf die Wand zum Nebenzimmer. Runzelte die Stirn. Blickte auf den Wecker. Seufzte.

Diesmal war es noch vor um drei.

Schlaftrunken schob sie sich aus dem Bett und schmiss sich eine dünne Jacke über. Ihr Zimmer war eiskalt. Kein Wunder. Die undichten Fenster und alten Heizkörper konnten schon ab September nachts keine ordentliche Temperatur mehr halten. Und mittlerweile kündigte sich Halloween an. Die Zeit der Geister, Gespenster und ruhelosen Seelen.

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K: Lieber Niklas

Niklas beobachtete seine älteste Stiefschwester unsicher. Er hatte sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen, da sie viel zu selten ihr altes Waisenhaus besuchen kam. Aber heute, zum Geburtstag ihrer Betreuerin und einem seiner anderen Stiefbrüder, zum Jahrestag ihres Waisenhauses, war sie endlich wieder nach Hause zurückgekehrt.

Lachend saß sie mit all den anderen Kindern, den Freunden aus dem Dorf und einigen ehemaligen Waisen an einem riesigen Tisch. Links von ihr hockte das andere Geburtstagskind, Florian, auf einem kippelnden Stuhl und erzählte von alldem, was sie verpasst hatte. Rechts von ihr lauschte auch der ebenfalls ausgezogene Tom den prachtvollen Erzählungen. Auf ihrem Schoß hüpfte die zweijährige Lisa glucksend auf und ab. Letztere verlangte Lieder. Musik. Aufmerksamkeit.

Und Janine gab sie dem Kind genauso herzlich, wie sie es einst bei ihm getan hatte.

Viel zu lange lagen diese Erinnerungen zurück.

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