Gestern, Jetzt und Morgen

Ich bestaune die Abdrücke.
Jeden einzelnen Schritt.
Ich bestaune die Abdrücke,
Trete nicht draus zurück.

Einst erschienen sie mir riesig.
Gewaltig sogar!
Einst erschienen sie mir riesig,
Doch war das auch wahr?

Meine Umrisse sind nun ebenso groß.
Meine Umrisse erscheinen mir dubios.
Meine Umrisse sind kein Schatten mehr.
Sie befüllen die Abdrücke fair.

Vor mir steht das Gestern.
Mit seinen alten Semestern.
Mit seinem hängenden Armen-
Ich kann’s kaum ertragen!

Denn ich bin das Jetzt.
Das Jetzt, das die Spuren ersetzt.
Das Jetzt, das das Heute fetzt.
Das Jetzt, das aufs Ganze setzt!

Ja. Ich fülle die Spuren aus!
Ich mache das beste daraus.
Ich bin nun endlich am Zug-
Gewartet habe ich genug!

Doch schmerzt es am Fuße,
Beide bitten um Buße.
Sie verzweifeln am Wege,
Bitten um dringende Pflege.

Und hinter mir scharrt es.

Morgen wartet auf seinen Tag.
Morgen steht schon am Start.
Morgen füllt fast meine Spuren aus.
Morgen wartet auf seinen Applaus …

Und ich renne im Stress
Auf das ich Morgen vergess‘.

Wahrer Wind

Der Wind kennt keinen Halt,
Wenn er durch uns‘re Welt schallt.
Ja, mal muss er sich verbiegen,
In falsche Richtungen gar fliegen.
Er muss tanzen und sich strecken,
Gelangt trotzdem in entlegenste Ecken!

Denn der Wind ist frei –
Frei zu träumen,
Frei von Zäunen
Frei von jeder Streiterei.

Im Wind singen die Wünsche.
Sie sind dort wahre Trümpfe.
Sie entgehen jedem Nein,
Singen in die Welt hinein!

Mal sind sie sanft und zart.
Mal stürmisch und hart.
Mal verherrlichen sie das Glück.
Und mal fordern sie ihre Liebe zurück.

Die Winde sind frei.
Die Träume sind frei.
Die Zukunft ist frei?

Dennoch sollen wir unsere Richtung lenken?
Ohne den morgigen Tag zu zerdenken?
Unsere Hindernisse können nur bedingt nützen!
Wir müssen uns aufs Unbekannte stützen.

Fujis endloser Morgen

Mittlerweile hasste Fuji den Morgen.

Erschöpft flog die kleine Wolke dem dämmernden Horizont entgegen. Seine Augen fokussierten sich auf einen kleinen Fleck in der Ferne. Dort hinten, dort konnte er schon ihren Schimmer ausmachen. Genau dort hinten würde Sabine erneut erscheinen.

Und sie würde sich wieder an nichts erinnern.

Betrübt blieb die kleine Wolke stehen und atmete tief durch.

Nein. So durfte er nicht an die Sache herangehen! Er durfte es nicht! Er musste sich zusammenreißen! Für sie. Für die Sonne. Für seine Sabine!

Sie war doch seine Freundin …

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Fujis Sabine

„Hallo, Sabine!“, grüßte Fuji die Sonne, als die ersten Strahlen nach einer weiteren Nacht über den Horizont krochen, „Wie geht es dir?“

„Huch! Hallo! Hallo! Hallo, oh schöne Welt!”, sang sie begeistert, ohne ihn zu erblicken, „Hallo! Oh! Schaut mal, wie hoch ich steigen kann! Schaut her! Schaut her!“

„Ja, das machst du toll, Sabine“, bestätigte er ihre Euphorie.

„Ich kann sogar- Moment. Sprichst du mit mir?“

Endlich senkte sich ihr Blick auf ihn und die kleine Wolke lächelte sie freundlich an.

„Natürlich, meine Freundin. Wie geht es dir, Sabine?“

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Fujis Wunsch

„Vielleicht weißt du ja, wie man diese Welt noch retten kann und findest eine Lösung für das Desaster.“

Die Worte klangen für mehrere Tage in Fujis Ohren wider und unsicher wälzte er sie in seinem Kopf hin und her. Eine Lösung finden … Für etwas, was selbst die Sterne nicht zu beheben wussten.

War das denn möglich? Wenn selbst die unendlich vielen Himmelslichter sich uneinig waren? Was war er schon im Vergleich zu den Riesen des Himmelszelts? Sie waren immerhin die Älteren! Er war doch nur eine kleine Wolke. Eine Wolke, die für die längste Zeit nichts mit ihrem eigenen Leben anzufangen wusste …

Fuji beobachtete den Erdboden unter ihm. All die Wesen, die dort umhereilten … Es waren so viele. Viel mehr als in seinem letzten Leben. Sie alle schienen ein klares Ziel vor Augen zu haben. Sie besaßen Aufgaben, die erfüllt werden mussten. Die keinen Aufschub duldeten!

Keiner von ihnen sah zu der Wolke hinauf.

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