K: Zum Shanai II

Es war das erste Mal, dass Maggie sie so plötzlich überwältigte. Und wahrscheinlich würde es auch das letzte Mal sein.

Valerie konnte kaum mit ansehen, wie sich ihr Körper verkrampfte. Das Wasser zog sie nach unten. Die Strömung schob sie in die Finsternis. Der Shanai, dieser Heilwasserfluss – er zerrte sie in den Abgrund!

Panisch schlug ihr anderes Ich um sich. Sie war außer sich. Erschrocken. Ängstlich. Zu keinem klaren Gedanken fähig. Am liebsten wollte Valerie die Seele in den Arm nehmen, ihr gut zureden. Doch wurde sie immer müder. Die Winde fehlten ihr. Die Luft-

HI- HILFE!, war das einzig Vernünftige, das Maggie durch ihre Gedanken schreien konnte.

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K: Zum Shanai I

Valerie Maggie lief ruhig und bedacht durch die dunklen Flure zu ihrer Spielgefährtin. Nichts anderes würde man von ihr erwarten. Das hatte ihre Lehrerin oft genug betont. Sie müsse sich stets ehrenhaft präsentieren. Auch wenn sie keine Lust darauf hätte.

Wenigstens diesmal blieb ihr jedoch der Druck dabei erspart. Da sie noch im Kindesalter war, besaß sie keine eigenen Auxilius, die auf sie aufpassten. Und von den beiden Leibwächtern ihrer Mutter war einer unterwegs. Der andere musste bei ihren Eltern bleiben, während sich diese stritten. Und ihr Bruder? Der saß gerade in seinem eigenen Unterricht und könnte sie nicht verpetzen!

Es war ihre erste Chance seitdem sie hier wohnten!

Vielleicht sollten wir es dennoch sein lassen? Mama sah so unglücklich aus, bemerkte Maggie zögerlich.

Das kann nicht dein Ernst sein! Du wolltest dir doch den Fluss ansehen! Wir sind vor Monaten hergezogen und durften nicht ein einziges Mal hoch. Das ist viel zu bescheuert!

Hm, damit verstummte ihre andere Seele wieder.

Maggie war so ein Mamakind!

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K2: Prolog – Die Ankunft

© Medra Yawa

Fiona Katja stürzte zitternd auf den Waldboden. Obwohl sich ihr Desson an sie schmiegte, ließ der Druck nicht von ihr ab. Das Ungleichgewicht ihrer Chakren zerriss ihre Seelen. Dabei spürte sie sonst den Sog ihrer Magie kaum! Aber nun? Es war ja nicht nur ihr Sahasrarachakra, das verrückt spielte. Viel eher fühlte es sich an, als würde der Kern ihres Seins zerrissen und neu zusammengesetzt werden. Als würde er hierhin gehören-

-und gleichzeitig fort müssen.

Angst strömte aus Katja heraus. Angst, die Fiona zu verdrängen versuchte, um eine Art Balance zu finden.

Stattdessen huschte ein stummer Schrei über ihre Lippen. Weißer Nebel entstieg ihrem Mund. Sie selbst mochte die Farbe. Ihre andere Seele nicht. Katja hatte sie seit jeher verabscheut. Weiß wäre zu rein für eine Welt, die von Leid und Schmerzen geprägt wurde!

»Langsam«, meldete sich jemand plötzlich.

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K: Verborgene Augen

Mit geschlossenen Augen saß Borei unter der Treppe und lauschte den hastigen Schritten. Die Waisen waren alle so unbedacht, so sorglos geworden. Erst hatte er es befremdlich gefunden. Doch nun? Mittlerweile hatte er ihre Naivität zu schätzen gelernt. Sie beruhigte ihn.

„Du sagst, sie kommt nächste Woche wieder. Fieber“, hörte er die Betreuerin den Nachzügler belehren.

„Ist gut. Aber du richtest ihr eine gute Besserung von mir aus, ja?“

„Ja, doch“, sie klang genervt, „Na los! Du kommst sonst wieder zu spät, Nik!“

Damit hetzten die letzten Schritte an seinem Versteck vorbei.

„Sie ist aber sonst nicht krank …“

Wäre Borei ein Mensch gewesen, hätte er Niklas‘ kindliches Meckern nicht vernommen. So konnte er sich jedoch über die kindliche Stimme amüsieren. Er selbst kannte den Waisen, seitdem dieser vor ihrer Tür abgelegt worden war. Damals hatte er geholfen, die Windeln zu wechseln, ihn zum Laufen zu animieren und so unendlich viele Karotten püriert, bis ihm davon schlecht war. Er wusste, dass der Junge stets erwachsen sein wollte. Er wusste, warum er wie verrückt lernte.

Und er wusste, dass er diesen kindlichen Tonfall nicht mehr oft hören würde.

„Bist du da, Borei?“, fragte eine andere Stimme in den Flur.

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K: Eine andere Welt II

Sobald der Unterricht für beendet erklärt wurde, warf Cindy erleichtert ihr Schulzeug in die Tasche. Das war die reinste Qual gewesen! Hinzu kam, dass die beiden hinter ihr immer noch über die Neue tuschelten. Durch ihre Windaffinität hörte sie jedes Wort! Reichte es nicht mal? Maggie, Maggie, Maggie sagten sie ständig. Dabei war die Wortmeldung der Stillen schon vor drei Stunden gewesen!

Genervt hob sie das Buch auf, das die Öffnung ihrer Tasche verfehlt hatte. Auch das noch. Heute war kein guter Tag. Sie musste sich besser zusammenreißen. Ja. Sonst würde ihr noch ein Unfall passieren. Ruhig bleiben. Ruhig.

Wieder fiel der Name Maggie.

Seufzend schloss Cindy die Augen und atmete kurz durch. Sie hörte, wie der Taschenrechner auf zwei Beinen überlegte, zu den älteren Waisen zu gehen. Immerhin hätte der eine sie die ersten Wochen jeden Tag bis zu ihrem Platz gebracht. Die Elternlosen standen füreinander ein. Wenn jemand aus dem Dorf Hilfe brauchte, war ein guter Draht zu der schrägen Familie stets hilfreich. Irgendwie kamen sie stets mit einem blauen Auge davon oder konnten sogar absurde Alibis liefern.

Eigentlich hatte sie das Waisenhaus nie gekümmert, aber wenn sie nicht mehr unter die Erde zurück wollte … Wenn sie aus der Welt der Macian verschwinden wollte … Moment. Wollte sie das?

In ihren Gedanken vertieft, lief sie fast in die Neue, die vor ihrem Tisch wartete. Still wie eine Statur stand sie dort. Eine Hand lag auf ihrem Halstuch. Die andere grub sich in den Saum ihrer Jacke. Die Finger zitterten leicht.

Huh. Sie zitterte? Damit wirkte sie ja fast wie eine Veteranin von daheim! Vor allem, da ihre Augen im Schatten lagen und ihr Mund sich so anspannte …

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