Märchenstunde: Die Geburt der Meernixen

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte ein König auf seiner Insel. Dieser König hatte sieben Söhne, aber nur eine Tochter, welche jede Krankheit magisch anzog. Stets wurde sie von Husten oder Fieber geplagt, sodass sich der König immerzu um sie sorgte. Und so kam es, dass er seine Söhne vernachlässigte, die sich bald darauf alle als alleinige Erben sahen.

Jeder wollte nach dem Tod ihres Vaters das Reich regieren. Denn jeder sah sich selbst als perfekten Nachfolger an. So war der erste sehr geschickt in der Buchführung, der zweite hatte die Kunst der Diplomatie mit dem Festland erlernt, der dritte war in der Schiffsfahrt und der Meereskunde bewandert, der vierte wusste jede Nahrung herzustellen oder gar anzubauen, der fünfte war ein Gelehrter des Tempels, der mit Auszeichnungen überhäuft wurde, der sechste wusste jedes Tier zu besänftigen und für seine Zwecke zu gewinnen, der siebte lenkte die Stimme des Volkes mit seinem Gesang.

Wie konnten die Gaben der anderen Brüder wichtiger als die eigene sein? Geschweige denn für eine kränkliche Schwester ignoriert werden?

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M: Ich kann das schon allein!

„Danke, dass Sie ihn gefunden haben. Es kommt nicht wieder vor“, beschwichtigte Sophie die Erzieherin, dessen Kopf den Farbton einer Tomate angenommen hatte.

„Das hoffe ich auch! Ich musste das ganze Gelände nach ihm absuchen!“, schrie diese immer noch erbost.

So erbost, dass Tyler sich weiter hinter seine ältere Schwester schob.

„Und dafür danke ich Ihn-“

„Dank, dank, dank!“, wiederholte die Erzieherin verächtlich, „Du kannst eurer Mutter ausrichten, dass der Betreuungsvertrag so nicht aufrecht erhalten werden kann! Kinder in dem Alter müssen sich beneh-“

Etwas in Sophie verkrampfte sich. Entschlossen drückte sie den Rücken durch. Sie starrte die Erwachsene eindringlich an. Dachte an das Häufchen Elend, das ihr Bruder war.

„Bei allem Respekt – ist es nicht Ihre Aufgabe auf die Kinder aufzupassen? Wie können Sie Tyler einen Vorwurf machen, wenn Sie es doch waren, die Ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hat?“

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