Der Fluch

Pinselstrich
Um Pinselstrich.
Erkennbar im matten Licht
Das eingefall’ne Gesicht.

Verfilzte Haare,
Asche und Ruß.
Weil es keine zehn Jahre
Alte gewesen sein muss.

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Taten.

Soll es verwirktes Leben
Wirklich immer geben?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Sünden.

Soll dieser endlose Schmerz
Wirklich einziehen ins Herz?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen-
Nein!

Dies ist kein Ende.
Dies ist kein Punkt.
Es ist ein Und-
Und eine Rückblende.

So erklärt dieser Fluch
Den wütenden Besuch
Der lodernden Hölle.

K: Das Leben ist zu schön

„Bitte sei leise, Sissy“, murmelte Lisa flehentlich, während sie das gefundene Kätzchen unter ihrem Shirt transportierte. Dennoch wollte das Tier nicht hören. Immer wieder mauzte es und jagte dem Kind einen Schrecken nach dem anderen ein.

Ertappt sah sich das Mädchen um. Sie befand sich auf der einzigen Straße, die von Kriegsheim zum Waisenhaus führte. Auf der einzigen Straße, die sie nach Hause brachte. Es war eine einsame Fahrbahn mit diversen Schlaglöchern und Gräsern, die sich mühsam durch das Beton fraßen und da es keinen Gehweg gab, tat Lisa häufig so, als wäre sie eines der seltenen Autos. Warum auch nicht? Die einzigen, die diesen Weg benutzen, waren ihre anderen Geschwister und Sabine. Dieser Ort lag viel zu abgelegen!

Ihre Augen huschten zum Waldrand, der ihr so nah erschien, als würde er die Straße sein Eigen nennen. Sie glaubte jemanden zwischen den Bäumen zu erkennen, doch als sie blinzelte, war die Person verschwunden. Es war nicht das erste Mal, dass ihre Augen ihr Streiche spielten. Die Schatten zwischen den Baumstämmen waren eigenartig verworren. Doch war das normal so. Sabine hatte es ihr beteuert.

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Fujis Unglauben

Die Erde drehte sich? Bitte was? Wie war das möglich? Wie sollte sich etwas so Großes drehen können? Und wie sollten die Sterne auch am Tage im Himmel stehen? Immerhin sah Fuji sie nicht. Und müssten sie nicht zu erblicken sein? Nein. Das konnte nicht stimmen!

Aber sie wussten, dass er der Sonne gefolgt war. Und dass, obwohl die demente Sonne ja nicht einmal selbst ihre Reise mitbekommen hatte. Diese hatte Fuji bis zu ihrem Untergang widersprochen. Die Sterne hingegen hatten eine Erklärung für das Verhalten des gewaltigen Himmelskörpers. Egal, wie abwegig diese auch erschien.

Ob er den Worten trauen konnte?

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Frühling

Kleine Grünlinge,
Winzige Ringel,
Stechen klar hervor.

So rege
Finden sie Wege,
Schießen hoch empor.

Krokusse, Veilchen
Und in einem Weilchen
Folgt die gesamte Pracht-
Hei, dann wird gelacht!

Bunte Flecken,
Spielen Verstecken.
Trällernde Lieder,
Klingen wider.
Das Leben beginnt,
Der Schnee zerrinnt.

Es frohlockt mit Rufen.
Es zerrt einen über Stufen.
Immer höher hinauf.
Und- wow!

Wie es prächtig erscheint,
Wie es Trauer verneint,
Wie es alle vereint!

Inmitten dieser Schönheit,
Verbirgt sich die Abwesenheit,
Des letzten Jahres.

Für nun beginnt es erneut,
Das Lied, das die Welt erfreut.

Tickende Zeitbombe

Tick. Tack.
Tick. Tack.
Und: ZACK!
Wer ist ein Wrack?

Sicher bin ich mir nicht –
Nicht mal in diesem Gedicht.
Denn die Unwissenheit erschüttert mich,
Denn die Unwissenheit ergreift dich!

So ist das Schicksal nur in einem gewiss,
Dass man uns eines Tages vergisst.
So weiß keiner hier,
Wann das Schicksal verlangt:
Nach dir.
Nach mir.

Tick.
Tack.
Tick.
Tack…

Werden die Zweifel verbannt.
Ist das arrogant?
Oder sind wir nun verdammt?

Das Leben ist zu vergänglich.
Der Tod unumgänglich.
Die Liebe anhänglich.

Und dennoch tickt in ein Jedem,
Etwas, was keiner kann überleben.

Tick.
Tack.
Tick.
Tack.

Unser Ende naht,
-ob hart oder zart-
-ob gewollt oder nicht-
Hält es, was es verspricht.

So bringt uns unsere Zeitbombe,
In eine düstere Katakombe.
Sie hinterlässt Trauer und Leid
Und ach so viel Einsamkeit!

Wer wird der Gewinner?
Von so viel Gewimmer?

Und wer wird der Verlierer?
Oder gibt es keine Sieger?

Denn so oder so, wurde was entrissen.
Etwas, was wir alle vermissen.

Tick. Tack.
Tick. Tack.

Boom.