
Julian Nicolas reiste nur tagsüber. Er musste sich nach der Sonne richten. Andernfalls könnte seine Begleitung ungewollte Aufmerksamkeit erregen. Denn jede Regenwolke barg die Gefahr, dass man den brennenden Vogel am Himmel entdeckte.
Und das, durfte er nie riskieren.
„Ich lasse Sie an der nächsten Tanke raus, eh?“, unterbrach der Lasterfahrer seine Gedanken.
Julian nickte.
Trotz seines Ranges unter den Macian, zog er die unkonventionellen Transportmittel der Nichtmagischen vor. Per Anhalter oder mit einem Zug durchs Land zu fahren, mochte von seinen Mitstreitenden als ekelhaft oder gar beleidigend aufgefasst werden. Doch er genoss jeden Augenblick. Es erinnerte Julian an seine zweite Familie.
An ihr bedingungsloses Lächeln.
„Hinter dem nächsten Schlagloch wäre perfekt“, entgegnete er und legte ein paar Scheine auf das Armaturenbrett, „Für Ihre Umstände.“
Misstrauisch nickte der Mann, allerdings widersprach er nicht. Er war nicht sonderlich gesprächig. Die Verabschiedung bestand aus einem kurzen Handwedeln. Dann fuhr der LKW weiter die Landstraße runter.
Noch zwei Autos hinter uns. Dann ist die Luft rein, murmelte Nicolas sogleich.
Gelassen warf Julian seinen Seemannssack über die Schulter. Es war ein abgenutztes Ding aus dritter oder vierter Hand. Er hatte es sich mal besorgt, um unter den nichtmagischen Leuten weniger aufzufallen. Damals. Als er an der Küste stationiert war.
Nur war er hier meilenweit von der nächsten Küste entfernt.
Nachdenklich wanderte er die Straße entlang. Er wartete, bis die Fahrzeuge verschwunden waren. Erst dann bog er auf den Acker ein. Er kannte jeden Winkel des Feldes. Es hatte seiner verstorbenen Mutter gehört. Hier war sie groß geworden. Hierher war sie mit ihm gereist, wenn sein Vater die Kontrolle verlor und alles um sich herum zu Kleinholz verarbeitete. Hier war er auf die Welt gekommen. Hier hatte er sich versteckt, als sie gestorben war.
Und hier verbarg sich seine Hoffnung.
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