B: Der Brief

Liane starrte auf die Tabletten, die ihr der Arzt verordnet hatte. Irgendwelche Antidepressiva, die ihr laut dem alten Mann helfen sollten, keinen Unfug mehr zu zeichnen. Sie sollte sie täglich zweimal nehmen. Mittags und abends. Immer zu denselben Uhrzeiten. Immer direkt vor den Mahlzeiten.

Entschlossen nahm sie sich ihre paar Pillen und warf sie in den kleinen Karton, der in ihrem Zimmer als Sammelsurium für winzige Objekte diente. Büroklammern, ein paar Stifte, zwei Würfel und diverser Krimskrams tummelten sich darin mit den Tabletten der letzten Tage.

Es war der einzige Ort, der ihr als Versteck in den Sinn gekommen war.

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K: Bitte sag nichts!

„Du musst es multiplizieren.“

„So?“

„Nein. Multiplizieren, nicht raten.“

„Ich rate nicht.“

Annika sah zu ihren älteren Stiefgeschwistern herüber. Sie gaben ein seltsames Bild ab. So verschoben! Dort saß Maggie – mit einem grauen Halstuch über den Schultern und einem ratlosen Blick auf ihrem Gesicht. Ungeduldig rollte sie den Stift in ihrer Hand hin und her, während Niklas ihr die Mathehausaufgaben erklärte.

„Wie multiplizierst du schriftlich?“, fragte er gerade seufzend.

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Fujis Erde

Die Sonne glaubte ihm.

Fuji konnte es nicht fassen. Nach all ihrem Hochmut, nach all ihrer Bitterkeit, nach all ihrer unschuldigen Freude – glaubte sie ihm. Er konnte kaum die Augen von ihr lassen und eilte ihr zügig hinterher. Er musterte ihre Mimik. Beobachtete ihre fehlenden Falten. Betrachtete ihre Züge, während sie auf die Erde starrte.

Dass er bereits hechelte, weil es ihm so schwerfiel mit ihr Schritt zu halten, war zweitrangig. Eilig flog die kleine Wolke hinter ihr her. Er bemühte sich, ruhig zu atmen. Ausdauernd zu bleiben. Sich nicht zu übernehmen.

Und irgendwie ging die Sonne nicht weiter unter.

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