Müde rieb sich Liane die Augen und schloss das Buch, in dem sie eigentlich noch lesen sollte. Es brachte nichts. Sie war fast zu Hause und die Busfahrt war einfach zu einschläfernd für diese Art der Lektüre. Die holprigen Straßen luden geradezu dazu ein, die Lider zu senken und sich den Träumen über andere Welten hinzugeben.
Welten, von denen einzig sie zu
träumen schien.
„Zeitverschwendung“, knurrend steckte sie das Schulbuch in ihre Tasche und schielte auf ihr Handy. Kurz vor neun. Sobald sie zu Hause ankam, müsste sie sich ums Abendbrot kümmern, duschen und ins Bett. Ihr Vater würde nicht vor elf zurück sein und ihre Mutter?
Die Frau war doch schon seit zwölf Jahren überfällig! Seitdem sie Liane nach ihren Träumen ausgefragt und diese für zuanstrengend befunden hatte.
„Verzeihung?“
Irritiert sah Liane zu dem Mann schräg vor ihr. Er war klein. Etwas rundlich. Hohe Stirn. Kleine Augen. Kurzgeschorene Haare.
Er rannte. Hechelnd versuchte er, mit seinem großen Bruder Schritt zu halten. Oder wurde er eher hinterhergezerrt? Er wusste nicht mehr, ob er aus eigener Kraft lief oder gezogen wurde. Ob das Adrenalin in seinem Körper echt war oder er schon zu den Toten gehörte und es nur noch nicht wusste …
Erneut konnte er sie hören. Die Schüsse am Ende des Flurs, die fluchenden Rufe, die erschrockenen Schreie, die wütenden Stimmen, vor denen sie flüchteten …
Und dann roch er es. Der beißende Gestank des Rauches, der an verbranntes Fleisch erinnerte. Geschmolzenes Plastik. Bittere Chemikalien … Es war der Geruch des Todes. Er versuchte, dem Jungen Tränen in die Augen zu treiben. Ihn innehalten zu lassen. Aber er wehrte sich.
Begonnen vor über zwei Jahrzehnten, Flogen Buchstaben über die Seiten, Skizzierten auf wundersame Weisen, Durchbohrten mit valyrischem Eisen, Ein Erstreben, Westeros‘ einzig Lohn- Verstrickten sich in den eisernen Thron.
So verbündeten die Häuser sich schnell, So zerbrachen Freundschaften im Duell. Stark, Tully, Targaryen, Martell, Lannister, Baratheon, Tyrell, Arryn, Frey, Bolton sowie Mormont- Kämpften für einen einzigen Grund.
Sie alle wollten an die Spitze, Machten darüber keine Witze, Belauschten Konkurrenten am Hof, Rissen Kinder aus der Mutter Schoß.
Könige starben wie die Fliegen. Feuer und Blut begann zu siegen. Die Schulden wurden eingenommen. Und der Winter vermag zu kommen.
Drum mussten die Häuser wählen. Drum mussten die Häuser zählen. Jede einzelne Seele müsse helfen, Und so zerbarsten mancher Manns Welten.
Ob alte Götter oder neue, Ob Verrat oder Treue, Wurden Hochzeiten ausgerichtet, Über Tote hämisch berichtet.
So schied der Glauben dahin, Der Fremde bekam einen anderen Sinn, Die Nachtwache wurde vergessen, Die Wildlinge flüchteten wie besessen.
Eine Geschichte, die nun bald endet, Die Leser und Zuschauer verändert- Über Zauberei, Betrug, Sklaven und Drachen Oder ewig über eine Mauer zu wachen, Erzählt sie von tragischen Leben Und wie sie viel zu schnell vergehen.
Es ist ein Lied von Eis und Feuer.
Ein kleiner Tribut zum Auftakt der letzten Staffel – auch wenn dieser eigentlich bereits gestern war.
Danke, George RR Martin und HBO, dass ihr eine so klasse Serie produziert habt. Ich kann das Ende kaum erwarten und verweise natürlich bei allen eingebauten Zitaten auf die Originalwerke. (TV-Serie: Game of Thrones; Buchserie: Das Lied von Eis und Feuer)