Am Boden

Einsam und verloren,
Im Inneren erfroren,
Nach Außen ein Lächeln,
Ich darf ja nicht schwächeln.

Erschöpft, ohne Kraft,
Während ein jeder lacht,
Während jeder sich freut,
Fühl‘ ich mich wie betäubt.

Die Steine liegen-
Nein! Sie fliegen,
Mir mitten ins Gesicht,
Doch Schmerz spür‘ ich nicht …

Wer spürt schon die Tropfen im Meer,
Wenn das Wasser drückt so schwer?
Beim Ertrinken wird es nicht vermessen,
Man wird stattdessen am Boden vergessen …

Am Boden unter so viel Nass,
Wird meine Haut ganz blass,
Während ich mich verlass …

Ein Lächeln nach oben
Vom untersten Boden
An jene mit ihren Sorgen,
An jene mit einem Morgen …

An jene, die mich hochziehen?

Die Hände sie reichen,
Sie sind mir ein Zeichen,
Sie wollen nicht weichen,
Lassen mich nicht erbleichen!

Sie zerren mich an die Luft,
Zerren mich aus der nassen Gruft,
Sie zerren mich zurück ins Leben,
Das ich beinah hätt‘ vergeben

Und schenken mir Seelfrieden.

Timothy – Ein neues Leben

Die Madam entpuppte sich als Elisabeth. Sie war das älteste Kind und die Lieblingstochter eines Fürsten hinter der Meerenge. Und sie war es auch gewesen, die Sir Stark angewiesen hatte, nicht ohne Timmys Schwester aus den Wäldern zurückzukehren.

Nicht ohne Julie.

Denn sie wäre kein Teil des Dorfes. Sie müsse vom Befehl ihres Vaters verschont werden. Und sie müsse die Madam nach Hause begleiten, damit sich der Fürst selbst von der Wahrheit überzeugen könne.

All das erfuhr Julie jedoch erst, als sie Elisabeth traf. Dabei behauptete diese, dass Timmy von den Piraten erwischt worden wäre. Dass er gestorben war, um ihr das Leben zu retten. Dass sie deswegen von nun an auf Julie Acht geben wolle. Dass deswegen ihr Arzt auch für Julies Verletzung mit verantwortlich wäre und sie sofort zu behandeln habe!

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M: Ein böser Traum

Marie ließ ihre Füße den Weg wählen. Sie wusste eh nicht, wo sie war, wo sie hin sollte, wo sie hin konnte. In Merichaven sah alles so grau aus. So grau und trist und dreckig und verloren. Wie sollte sie da den richtigen Weg finden? Der, der sie in Sicherheit brachte. Nach Hause …?

Tyler hätte es gekonnt.

Schnell verdrängte Marie die kleine Stimme in ihrem Kopf. Sie schaute lieber gen Himmel. Zu den Seemöwen, die dort ihre Runden drehten. Sie segelten im Wind. Tanzten. Kreisten. Es sah so majestätisch aus. So anders als die kleinen Vögelchen, die sie aus Raptioville kannte.

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K: Ein Stück vom Geburtstagskuchen

Maggie zwang sich ein Lächeln ins Gesicht, als Paul bei seiner Pointe ankam. Sie nickte ihm zu. Erkundigte sich, wie es mit den Eskapaden seines Kunden weiterging. Wie ihr Stiefbruder immer so ruhig bleiben konnte.

Beschämt schüttelte dieser den Kopf: „Musste ich zum Glück nicht. Mein Chef hat den Saufbold auseinandergenommen, weil er ein paar Gläser Gewürzgurken runtergeworfen hatte. Der Alte hat wie ein Matrose geschimpft, sag ich dir!“

Maggie nickte sachte. Sein Tonfall hatte sich verändert. Generell kam es ihr so vor, als ob sich ihr Stiefbruder jedes Jahr ein bisschen mehr veränderte – als ob er sich von ihr entfernte!

Sie hasste es.

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M: Die Kluft der Chengs

Kim wartete, bis der Arzt ihr das Okay gab. Es war der übliche Humbug. Erst wenn sie sich angemeldet und Niklas ihren Besuch bestätigt hatte, ließen die Leute sie auch durch.

„Sie haben maximal zwei Stunden“, erklärte der Arzt nach seinem kurzen Telefonat, „Und bitte beschädigen Sie nicht wieder das Mobiliar.“

Stumm wandte sich die rothaarige Asiatin ab. Die meisten anderen durften nicht so mit ihr sprechen. Aber die meisten anderen kümmerten sich auch nicht um ihre verstümmelte Mutter.

Zielsicher lief sie die Krankenhausgänge entlang. Sie musste ans andere Ende des Gebäudes. Dort waren die stationären Fälle. Jene, die Niklas nicht gehen lassen würde. Nicht, solange er Kim oder ihren Bruder noch brauchen würde.

Es war ein besseres Gefängnis.

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