B: Die Zeichnungen

„Papa?“, rief Liane durch das große Haus, „Ich bin wieder da!“

Eine ungewohnte Stille antwortete ihr. Sie fühlte sich vertraut und gruselig zugleich an. Wie eine unförmige Erinnerung.

Unsicher stellte das Mädchen ihre Schuhe neben der Tür ab und schlich sich in die Küche. Alles andere wäre ihr falsch vorgekommen. Sie wollte hier keinen noch so kleinen Mucks von sich geben. Jedes Rascheln erschien ihr so endlos laut. Jeder Schritt wie Hufgetrampel. Es hatte etwas von einem Gewitter, das sich über ihr zusammenbraute.

Schaudernd trat Liane in die Küche. Sie mochte keine Gewitter. Wenn der Himmel die Beherrschung verlor, fühlte es sich immer wie eine tobende Apokalypse an. Niesel, Regen, Hagel ließen sie gleichermaßen erschaudern.

Nur Schnee war in Ordnung.

Schnee hatte sie schon immer gemocht …

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B: Kritz, kritz, kratz

„Sie hat behauptet, dass irgendein komischer Typ sie gerettet hätte. Aber keiner will ihn gesehen haben.“

„Wenn du mich fragst, war Doppelzopf doch schon immer etwas eigenartig. Wahrscheinlich hat sie sich die Story nur ausgedacht.“

Kritz, kritz.

„Glaub ich auch! Tims Oma soll mit ihr im Bus gewesen sein und sie schwört felsenfest, dass Liane alleine ausgestiegen wäre!“

„Tim selbst ist halb blind. Wie viel kann da schon die alte Schnepfe sehen?“

Kritz, kritz.

„Ist doch egal, wie viel die Alte sehen kann. Fakt ist, dass nichts zu stimmen scheint. Ich sag dir, das sind alles nur dumme Märchen, damit Liane sich wichtig vorkommen kann!“

Kritz, kritz.

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