Timothy – Die Farben des Verrats

Erst als wir am Abend in ihrem Zimmer beisammen saßen, schwebte ich erneut in Julie hinein, um so meine neusten Erinnerungen mit ihr zu teilen. Die Briefe, die Alexander diesmal bekommen hatte. Jene, die er nachmittags geschrieben hatte, während Julie mit Maria Tee trank. Die Dienstbotengänge, die von Tag zu Tag leerer erschienen.

Marias Vater entließ wahrscheinlich bereits die ersten Angestellten, damit der spätere Austausch der Bediensteten leichter von statten gehen würde. Damit keiner mehr Elisabeth erkannte. Damit seine Tochter die neue Lady des Hauses werden könnte …

Kranker Mistkerl.

Weiterlesen

B: Der alte Babybruder

„Bist du dir wirklich sicher?“, fragte Oliver leise. 

Liane nickte. Sie hatte sich noch nie so sicher bei etwas gefühlt. Und vor allem aufgeregt! Vielleicht war es doch ganz gut gewesen, dass Olivers Vater sie gefahren hatte. Ihre Gedanken waren immer noch so wirr, dass sie kaum klar denken konnte. Wie hätte sie ihre Umstiege mit dem Bus einhalten sollen? Wie sich nicht verlaufen? Denn immerzu hatten sich die Artikel über die Bachfamilie in ihre Gedanken geschlichen. Sie hatten vergessene Bilder in ihrem Kopf zum Leben erweckt. Bilder, die sich realer anfühlten als ihr Freund Oliver, der die ganze Zeit an ihrer Seite blieb und ihre Hand hielt.

Weiterlesen

M: Die fremde Frau

Lucas ging zügig durch die weiten Flure. Bloß nicht rennen. Sein Vater hatte darauf bestanden, dass er ruhiger lief. Wenn er es nicht tat, wie sollte sich sonst sein jüngerer Bruder etwas Ruhe angewöhnen? Matt platzte ja förmlich vor Energie!

Erst vor der Küchentür hielt Lucas inne. Er lauschte, ob das gewohnte Klackern erklang, ehe er einen Blick hinein riskierte. Nur war der Raum leer.

Nachdenklich schaute er sich um. Eigentlich hätte seine Mutter hier sein müssen. Sie zog sich immer hierhin zurück, wenn sie etwas für die Zeitung schreiben sollte. So konnte sie sich leichter mit einem Keks motivieren.

Heute jedoch nicht.

Weiterlesen

Minki und Kitty II

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Drei Tage musste er diese Kitty nun schon ertragen. Drei. Tage. Und dabei war doch jede einzelne Minute mit ihr bereits eine Zumutung!

Vorsichtig blickte Minki an einem eckigen Baum vorbei. Er hatte gehört, wie die Zweibeinerin sie zum Abendessen gerufen hatte. Und wahrlich! Da stand die Felllose mit seinem Napf-

-und einem weiteren.

Weiterlesen