K: Prolog – Todeswunsch

© Medra Yawa

Der Regen fiel schwerfällig aus dem hellblauen Himmel. Nicht eine Wolke war zu sehen. Dennoch fanden die Tropfen kein Ende. Unentwegt rieselten sie herab und fluteten den Pfad mit schlammigen Pfützen.

Pfützen, die fast schwarz aussahen.

Nein. Nicht ganz. Eher … dunkler-

Bevor das Mädchen ihren Gedanken beenden konnte, stürzte sie. Eine Schlammschicht bedeckte ihr Kleid. Am liebsten wäre sie liegen geblieben. Warum war sie überhaupt gerannt? Sie wusste ja gar nicht, was sie zuerst durchnässt hatte. Der Regen oder ihr eigener Schweiß?

»Wo bist du? Steffen?«, schluchzte sie leise.

Die Kopfschmerzen durchfuhren sie wie ein Peitschenhieb. Da war eine riesige Tatze. Schreie. Blut!

Jemand war verletzt. Wer? Und wo? Was machte sie hier? Sollte sie Hilfe holen? War sie deswegen gerannt? Aber wohin?

Und wer war sie?

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M: Nebeneffekt

So war das nicht geplant gewesen.

Überrascht beobachtete Dr. Devison II das Heben und Senken des Brustkorbs vor ihm. Er schwebte zwischen Begeisterung und Schrecken. Eine zittrige Vermischung von Gefühlen. Alle ausgelöst von dem eigenartigen medizinischen Zustand seiner Patientin.

Sie hing regelrecht am Leben.

Erst letzte Woche war ihm die junge Dame als unfreiwillige Freiwillige für seine Forschungen überlassen worden. Er sollte eine Droge an ihr testen. Ein letzter klinischer Versuch, ehe er das Mittel für Niklas freigeben konnte. Also hatte er ihr absichtlich eine dreifache Überdosis verabreicht. Dadurch hätte ihr Kreislauf eigentlich kollabieren sollen. Vor allem bei dem Flüssigkeitsverlust! Sie hatte so viel geschwitzt, dass sich eine riesige Pfütze unter ihr gebildet hatte. Darin konnte der Arzt die Spiegelung des Stahltisches und der Ketten erkennen, die sie hielten. Er müsste sich später Judith zum Putzen holen …

Seine Augen wanderten wieder zu seiner Patientin zurück. Wild flatterten ihre Augenlider hin und her. Ihre Finger zuckten. Gelegentlich spannten sich ihre Beine an. Und ihr Herz …

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