Timothy – Die Farben des Verrats

Erst als wir am Abend in ihrem Zimmer beisammen saßen, schwebte ich erneut in Julie hinein, um so meine neusten Erinnerungen mit ihr zu teilen. Die Briefe, die Alexander diesmal bekommen hatte. Jene, die er nachmittags geschrieben hatte, während Julie mit Maria Tee trank. Die Dienstbotengänge, die von Tag zu Tag leerer erschienen.

Marias Vater entließ wahrscheinlich bereits die ersten Angestellten, damit der spätere Austausch der Bediensteten leichter von statten gehen würde. Damit keiner mehr Elisabeth erkannte. Damit seine Tochter die neue Lady des Hauses werden könnte …

Kranker Mistkerl.

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M: Leerer Paketdienst II

Lucifer beobachtete, wie Kim vor dem Fenster auf und ab tigerte. Er selbst hatte sich an die Wand neben der Tür gelehnt. So konnte er am besten lauschen, wie die Bewohner ins Haus kamen. Wie die Schwangere sich auf das Drängen der anderen hinsetzen musste. Wie sie gefragt wurde, ob sie ordentlich getrunken hätte …

Auf ihr „Geht so“ fühlte sich Lucifer erneut zurückgerissen. Er musste wieder an seine Mutter denken. Und wie sein Vater ihn stets dazu verdonnert hatte, sich mit um sie zu kümmern. Sobald ihr der Mann wegmusste, war Lucifer dafür verantwortlich gewesen, auf sie und Michael aufzupassen. Er hatte ihr damals immer wieder Wasser gebracht. Er hatte mit Michael geschimpft, falls dieser zu laut wurde und ihre Mutter Kopfschmerzen hatte. Und er hatte die Zeitungen versteckt, wenn auf den ersten Seiten zu gruselige Fotos abgedruckt waren …

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Märchenstunde: Der Fluch eines Namens III

Obwohl Pans Schlaf traumlos verlaufen sollte, so suchte ihn dennoch eine Erinnerung heim. Eine, in der er ein totes Mädchen vor sich sah. Bacchus presste es an seine Brust. Er weinte um sie. Schüttelte ihren Körper. Rief immer wieder ihren Namen.

Selene.

Das war doch auch der Name des Mondes, oder? Pan hörte sich selbst spielen. Das Lied der Trauer. Ja. Das war ihm als erstes für Bacchus eingefallen. Er hatte damals nicht auf ihren Namen geachtet. Viel zu groß war sein Mitleid gewesen.

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K: Ein neuer Bruder III

Erschöpft kam Maggie wieder im Stützpunkt an. Sie grüßte die Macian stumm. Sah zu, wie die Wachen das Fahrzeug kontrollierten. Wartete, bis SveA sie in ihre Räume zurückgeleitete. Bis Yuki von ihren Schultern sprang und sich auf der Sofalehne ausstreckte.

Sobald die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, nahm sie die Hand von ihrer Narbe. Maggie hatte unterwegs bereits das Kribbeln bemerkt. Es hatte sie überrascht, dass TJ sich erst gemeldet hatte, nachdem sie das Gruselhaus verließ. Und nicht schon vorher, als sie noch mit SR und Jessi gesprochen hatte.

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Verschluckt

Der Wind rennt durch Äste, durch Blätter.
Er singt vom stürmischen Wetter.
Er tanzt zu seinem eigenen Lied,
Ein Lied, das nur er liebt.

Denn der Rhythmus ist fordernd,
Denn die Töne sind lodernd,
Denn die Melodie ist in Moll.
Denn so zahlst du den Zoll.

Den Zoll des Verschluckens.
Den Zoll des Geheules.
Den Zoll des Verbergens.
Den Zoll des Diebstahles!

Der Wind ist ein Dieb!
Ein Dieb, den niemand sieht.
Ein Dieb der Worte.
Ein Dieb mit forte!

Sprichst du leis,
Hört man dich nicht.
Brüllst du laut,
Lacht er dir ins Gesicht!
Er achtet keinen Schweiß,
Verschenkt lieber stets Laub –

Blätter mitten in den Mund,
Eh er sich lacht rund!