M: Michaels Kette

Zischend lehnte Michael sich gegen die Mauer. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Er war so kurz davor gewesen, endlich Antworten zu bekommen! Und dann hatte er nur einen Moment nicht aufgepasst …

Er schloss die Augen und lauschte in sich hinein. Spürte, wie das Blut durch seine Ohren pochte. Obwohl er seinen rechten Arm noch bewegen konnte, so fielen die Bewegungen langsamer aus. Stockender. Schmerzhafter.

Michael presste die linke Hand auf seinen provisorischen Verband. Er hatte sein Shirt zerrissen und umständlich um seinen Oberkörper gebunden. Unter dem Mantel würde man es eh nicht sehen. Und solange der Durchschuss keine zu große Blutspur hinterließ, würde es hoffentlich niemanden auffallen.

Dabei hatte sich bereits eine kleine Pfütze dort gebildet, wo er sich so verrenkt verbunden hatte …

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Märchenstunde: Der Biss der weißen Schlange III

Scute kehrte noch am selben Tag ins Dorf zurück. Diesmal brauchte er sich keine Sorgen um die Raubtiere des Dschungels zu machen. Alle machten ihm auf dem Rückweg Platz. Alle zeigten ihm Respekt.

Dank des Mals der weißen Schlange, das diese an seinem Handgelenk hinterlassen hatte.

Noch immer echoten ihre letzten Worte durch seinen Kopf. Mit diesem Biss gehörte er ihr. Er hatte ihr zu gehorchen. Er hatte all jene mit demselben Zeichen zu respektieren. Und er hatte sein Haupt vor ihnen zu beugen. Aber dafür stand er auch unter ihrem Schutz. Sie schenkte ihm ihr Wissen. Sie schenkte ihm ihre Gaben. Ihre Umsicht. Ihre Gedanken.

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K: Die Gäste I

Linda Zarina starrte die Neuankömmlinge mit großen Augen an. Ein Mann und eine Frau. Beide Hushen. Beide mit diesen weiten Anziehsachen. Die, mit den breiten Ärmeln. Und den komischen Kreisen über der Brust. Ihre Schuhe klackten leise durch den dunklen Flur. Doch ihre Vertrauten bewegten sich fast lautlos: Ein weißes Schwanenwesen und ein orangenes Fuchswesen. Ersteres wirkte teilnahmslos. Doch letzteres …

Als die Gäste in ihrer Unterkunft verschwanden, begegneten Linda dem Blick des Fuchses. Linda lächelte ihn an. Winkte zaghaft. So zaghaft, wie Zarina es in ihrer üblichen Unruhe zulassen würde.

Kurz darauf war er verschwunden.

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Ratatabum!

Ratatarum! Ratatabum!
Ein jeder schaut sich um.
Ratatarum! Ratatabum!
Danach ist’s kurz stumm.

Eben war der Himmel noch klar.
Nicht eine Wolke sah ich gar.
Strahlendes Blau, für viele wunderbar,
Ohne das Drohen einer Regengefahr.

Ratatarum! Ratatabum!
Schallt’s wieder herum.

Der Himmel verdüstert sich.
Er verschluckt sein Licht.
Und der Horizont widerspricht
Dem gestrigen Wetterbericht.

Ratatarum! Ratatabum!
Es gewinnt an Schwung.

Die Tropfen prasseln nieder.
Sie singen ihre Lieder.
Dazwischen echot wieder
Das Ratatabum wider.

Ratatarum! Ratatabum!
Ratata-zisch und BUM!

Wie Trommeln dröhnen sie.
Wie Geister heulen sie.
Wie Flüsse weinen sie.
Die Wolkenmelodie.

Ratatarum!
Spring ich durchs Nass.
Ratatabum!
Das ist mein größter Spaß!

So genieße ich jedes Gewitter.
So ignoriere ich jedes Gezitter.
So tanze ich zum Trommelklang.
So tanze ich seit es begann.

„Ratatarum! Ratatabum!“,
Singe ich laut herum,
„Ratatarum! Ratatabum!“
Bevor es wird stumm.

B: Hilfesuche

Das erste Steinchen prallte gegen den Fensterrahmen. Das zweite traf allerdings die Glasscheibe. Ehe sie das dritte werfen konnte, tauchte Olivers verschlafene Gestalt dahinter auf.

Erleichtert wank Liane ihrem Freund zu. Sie deutete zur Haustür. Dann eilte sie auch schon um das Haus herum und wartete ungeduldig darauf, dass er ihr öffnete.

„Es ist noch nicht mal um fünf“, murmelte Oliver, als er ihr öffnete.

„Ich weiß. Es ist wichtig. Und- Entschuldige für die Steinchen. Ich bin vorhin ohne Handy los. Ist ziemlich verrückt und- Ich brauche deine Hilfe“, sie fühlte sich atemlos an.

Atemlos, aber entschlossen.

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