K: Ehrliche Realität

Die Wochen nach dem Angriff auf den Shanai über waren seine Gedanken vernebelt. Dafür sorgte seine Tante. Immerzu ließ sie ihm Räucherstäbchen bringen, welche betörende Düfte entfachten, sobald sie brannten. Gerüche, die ihn schwerfällig werden ließen. Die ihn seine Sorgen vergessen ließen.

Blinzelnd starrte Tristen auf das letzte abgebrannte Stäbchen. Es war bereits vor zwei Stunden erloschen. Dennoch hatte LaNa kein Neues angezündet. Sie hatte zuvor nur die anderen Macian rausgeschickt. Hatte darauf bestanden, dass sie TriSte’s Auxilius war. Dann hatte sie die neuen Stäbchen beiseite geräumt. Und seinen Vater, den Lyx, belügen lassen.

Denn laut ihr würde das nächste Räucherstäbchen bereits brennen.

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Am Boden

Einsam und verloren,
Im Inneren erfroren,
Nach Außen ein Lächeln,
Ich darf ja nicht schwächeln.

Erschöpft, ohne Kraft,
Während ein jeder lacht,
Während jeder sich freut,
Fühl‘ ich mich wie betäubt.

Die Steine liegen-
Nein! Sie fliegen,
Mir mitten ins Gesicht,
Doch Schmerz spür‘ ich nicht …

Wer spürt schon die Tropfen im Meer,
Wenn das Wasser drückt so schwer?
Beim Ertrinken wird es nicht vermessen,
Man wird stattdessen am Boden vergessen …

Am Boden unter so viel Nass,
Wird meine Haut ganz blass,
Während ich mich verlass …

Ein Lächeln nach oben
Vom untersten Boden
An jene mit ihren Sorgen,
An jene mit einem Morgen …

An jene, die mich hochziehen?

Die Hände sie reichen,
Sie sind mir ein Zeichen,
Sie wollen nicht weichen,
Lassen mich nicht erbleichen!

Sie zerren mich an die Luft,
Zerren mich aus der nassen Gruft,
Sie zerren mich zurück ins Leben,
Das ich beinah hätt‘ vergeben

Und schenken mir Seelfrieden.

B: Die stillen Worte I

Als die letzte Schulstunde endlich endete, hätte Lilith am liebsten aufgeseufzt. Zügig packte sie ihre Sachen ein und blickte in derselben Bewegung erneut zu Tina.

Das andere Mädchen schaute nur schwerfällig auf. Sie wirkte blass. Und angespannt. Als hätte die Glocke eher Pein als Erlösung gebracht.

„Ach ja. Wollte ich dir schon gestern sagen: Ich muss gleich noch meiner Mom mit ihrem Hochzeittaggeschenk helfen. Sie hat das Datum schon wieder verpeilt und muss alles bis heute Abend fertig haben, wenn Dad heimkommt“, bemerkte Shiloh, „Kommst du klar?“

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Timothy – Flammengespräche

Die Werbungen von Cousin Alexander begannen nur zwei Wochen später. Immerzu fragte dieser, ob er nicht Maria treffen könne. Dass er gerne um sie werben würde. Dass sie natürlich Julia als Begleitung mitbringen dürfe.

Seine Briefe waren widerlich. Viel zu liebreizend. Schief. Verkehrt! Wäre es nach mir gegangen, hätte ich all seine Papiere auf einmal verbrannt. Aber da er Julias Weg aus dem Anwesen war …

„Wie fühlst du dich?“, vernahm ich ihre Frage an Maria.

„Leer“, offenbarte das Mädchen, „Hat Vater wenigstens heute …?“

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M: Ein eigenwilliger Fund II

Johnny wartete einige Minuten im Verborgenen. Erst danach ging er in die Richtung des Hauses zurück. Er hielt sich dabei an die Straße. Blieb immer direkt neben dem Sandweg: Weit genug weg, um seine Umgebung zu überblicken, allerdings auch nah genug am Wald, um notfalls darin abzutauchen. Als er das Gebäude wieder mustern konnte, hielt er inne. Er beäugte die Fenster nachdenklich. Dann den kleinen Garten und die Treppe, die zum Haus führte.

Zu diesem Waisenhaus

Als er sich sicher war, dass niemand ihn beobachtete, lief er zügig auf das Haus zu. Trotz aller Vorsicht fühlte er sich dabei beobachtet. Also achtete er darauf, sich normal zu geben. Als würde er hier wohnen. Als wäre er jeden Tag hier.

Dennoch ließ dieses unbehagliche Gefühl nicht von ihm ab.

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