Des Traumes Feder

Werden Augen geschlossen,
Werden Träume gegossen,
Wird die Tinte vergossen,
Die Feder, sie schreibt.

Das Luft ist Papier,
Die Farbe ist Zier,
Der Zauber ist hier,
Die Feder, sie springt.

Gemalt werden Berge,
Gemalt werden Wälder,
Gemalt werden Täler,
Die Feder, sie tanzt!

Erzählt werden Märchen,
Von verzauberten Pärchen,
Von hungrigen Bärchen!
Die Feder, sie bibbert …

Gruselig wird’s dabei auch,
Das ist ein fester Brauch.
Aber da folgt der Rauch!
Die Feder, sie jauchzt!

Der Horror ist verborgen,
Sie muss sich nicht mehr sorgen,
Freut sich auf den Morgen …
Die Feder, sie seufzt.

Die Tinte ist leer,
Das Ende muss her.
Es fällt ihr schwer-

Doch die Feder, sie fällt
Und der Traum zerfällt.

B: Liane und Lilith

Gedankenverloren beobachtete sie ihren Lehrer. Es ging um Mathematik. Funktionen und Schnittpunkte. Themen, die nur bedingt ihre Aufmerksamkeit halten konnten. Dennoch schrieb sie artig das Tafelbild ab und tat so, als würde sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren.

„-ne? Liane?“

„Ja?“, sie unterdrückte den Drang ihn zu korrigieren und sich Lilith zu nennen.

„Kannst du deine Lösung für 3b mit uns teilen?“, fragte der Lehrer genervt.

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Timothy – Zwischen Lüge und Wahrheit

Es verlief alles so, wie Elisabeth prophezeit hatte: Ihr Tod wurde beim Frühstück verkündet. Ein Reitunfall in den frühen Morgenstunden. Tatenlos musste ich mit ansehen, wie Maria zusammenbrach. Wie Julia sie in ihre Arme schloss und tröstend auf sie einsprach. Wie Sir Stark um Vergebung bat, weil er die Madam nicht begleitet hatte …

„Nein. Das- Sie darf nicht-!“, schluchzte Maria gepeinigt.

„Der Tod kommt stets schneller, als man sich wünscht“, flüsterte Julia, nachdem der Hausarzt von einem schnellen Tod berichtet hatte, „Er ist ein Teil vom Leben. Und zumindest musste sie so nicht leiden …“

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M: Ein eigenwilliger Fund I

„Von hier aus muss ich wieder zurück. Tut mir leid, Junge“, murrte der Fahrer des LKWs.

„Schon gut. Ich komme schon klar“, entgegnete Johnny mit einem geübten Lächeln.

„Huh“, der Mann schüttelte jedoch den Kopf, „Wenn du meinst.“

Johnny ging nicht weiter auf den Fahrer ein. Er war nützlich gewesen, um ungesehen von den Straßen vor Merichaven zu verschwinden. Um keine direkten Spuren zu hinterlassen. Um von Niklas‘ Radar zu verschwinden …

Und nur das zählte.

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Märchenstunde: Das Königreich der Hexen I

Nia Birch beobachtete den verschlungenen Pfad am Waldrunter unter ihr. Er war ausgetreten. Beengend für die Nacktaffen des nächsten Dorfes. Zu breit für die Miracula, wie sie eine war. Und er befand sich fast fünf Körperlängen unter ihr. Hier hielt sie Wache. Sie hielt Ausschau nach den Biestern der Nacktaffen. Nach diesen Soldaten, die der König in die Wälder schickte. Diese Rüstungsträger, die Nia und ihre Familie stets ins Verderben stoßen wollten. Die immer nur kamen, um ihrer eins auszulöschen. Die immerzu ihren Tod wollten …

Und die immerzu dem Tod vorgestellt wurden.

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