Märchenstunde: Der Biss der weißen Schlange III

Scute kehrte noch am selben Tag ins Dorf zurück. Diesmal brauchte er sich keine Sorgen um die Raubtiere des Dschungels zu machen. Alle machten ihm auf dem Rückweg Platz. Alle zeigten ihm Respekt.

Dank des Mals der weißen Schlange, das diese an seinem Handgelenk hinterlassen hatte.

Noch immer echoten ihre letzten Worte durch seinen Kopf. Mit diesem Biss gehörte er ihr. Er hatte ihr zu gehorchen. Er hatte all jene mit demselben Zeichen zu respektieren. Und er hatte sein Haupt vor ihnen zu beugen. Aber dafür stand er auch unter ihrem Schutz. Sie schenkte ihm ihr Wissen. Sie schenkte ihm ihre Gaben. Ihre Umsicht. Ihre Gedanken.

Weiterlesen

Stolz zu leben

Er war einst aus brüchigem Holz.

Ein zerbrechlicher Ast als Mast.
Die Ruder – zwei schiefe Schemen.
Das Segel – ein elender Gast,
Papier wäre stärker gewesen.

Damals wurde er vom Meer empfangen.
Er wurde liebkost und verwöhnt
Und zuletzt hintergangen.
Wobei das Meer tönt:

„Kommt zu mir zurück,
Sodass ich euch zerdrück!
Denn ihr seid mein – für alle Zeit.
Egal, von wie viel Leid ihr schreit!“

Aber der Kahn ist nicht mehr klein.
Er glänzt im edlen Schein.
Er versteckt die alte Pein.
Er stützt uns beide ungemein.
Denn wir fanden unser eigenes Heim.

Mit metallenen Körper
Und dampfenden Antrieb
Schwört er,
Dass er nie vergibt.

Denn er fand seines Lebens Stolz.

Der Blick zurück

Der Wind zupft an meinem Haar
Und erinnert mich ans vergangene Jahr.
An alles, was ich wollt‘ vergessen.
An alles, was mich wollt‘ stressen.

Der Wind will, dass ich mich umdreh‘.
Der Wind will, dass ich ihn versteh‘.
Der Wind will, dass ich zurückgeh‘.

Der Wind weht in die falsche Richtung.

Müde starre ich zum Horizont.
Ob die Sonne nun bald kommt?
Ob sie diesmal heller strahlt?
Ob sie mit mehr Farbe malt?

Und wieder zerrt der Wind an mir …

Nein! Ich darf mich nicht beugen!
Ich darf die Zukunft nicht verleugnen!
Ich muss nach vorn seh’n.
Ich muss weitergeh’n!

Dennoch schauen meine Augen zurück.
Kurz nur. Für einen winzigen Augenblick.
Sie sehen ein Lächeln, sie sehen Tränen.
Sie erkennen all diese Schemen.

Nostalgie schleicht sich stumm in mein Herz.
Sie zieht mich seitwärts, vorwärts, rückwärts.
Orientierungslos wanke ich hier.
Dennoch ist nun Wärme in mir.

Der Wind hat sich gelegt.

Gutes wie Schlechtes.
Schlechtes wie Gutes.

Jeder befindet sich irgendwo dazwischen.

Lachend begrüße ich die neue Sonne.
Diese zärtliche Wonne.
Dieses neue Jahr.

Das Neue wird genauso sonderbar.

K: Nicht zurück

„Stevie … Komm her …“

Zögerlich trat der Junge an das Bett, in dem sein zittriger Großvater lag. Erst gestern hatte er einen Krankenwagen für den alten Mann rufen müssen. Für Otto Naar, hatte der Vierjährige ins Telefon geschluchzt, für seinen Opa.

Er war so überfordert gewesen. Die Frau am Telefon hatte ihre Adresse wissen wollen. Und was sein Großvater hatte. Und was passiert war!

Steve hatte nur schluchzen können.

Weiterlesen