Neues und altes Lernen

Für Zukunft, Träume — nicht zur Zier
Lernt man drei Stunden oder vier.
Man paukt, man kämpft die ganze Nacht,
Bleibt wach bis lange nach halb acht.
Alles für die große Sehnsucht.
Alles für des Wunsches Zuflucht.

Da kommt es von oben geflogen,
Man möge auf die Weisen hören.
Sie hätten alle aufgezogen,
Da dürfte man sich nicht empören.

Also wird es mit Fragen versucht
Also wird das Gespräch gesucht
Also wird Hilfe ersucht:

Meinungen und Fakten
Vorlieben und Macken
Hören die Weisen nur Attacken?

„So war es halt schon immer!“
„So soll es weiter sein!“
„Mein Bauchgefühl täuscht nimmer!“
„Sage mir niemals nein!“

Wendet man das Lehrbuch an,
Fragen Weise, was man kann.
Setzt man deren Worte um,
Schnappt die Falle zu mit Wumps!

So wäre es nie gewesen.
Der Weise ist zu belesen.
Gewiss verwechsle man da was,
Gewiss war es ja nur ein Spaß!

Das Lehrbuch vorwurfsvoll blickt.
Es wirkt im Herzen geknickt.
Es hat die Sonne nie gesehen,
Kann Einbildung nicht als Bildung verstehen…

M: Im Auge des Schützen I

„Sie schläft endlich“, seufzte Jennifer und ließ sich aufs Sofa fallen.

„Du pamperst sie zu sehr“, behauptete Jennifers Mutter sofort, „Ann ist alt genug, auch allein einzuschlafen.“

Die junge Mutter nickte nur stumm. Etwas anderes blieb ihr nicht übrig. Sonst würden ihre Eltern von der Affäre ihres Mannes erfahren. Und dann könnte sie sich auch gleich vor die Tür setzen!

Denn in einer gesunden Ehe dürfte es keine Affären geben.

„In ein paar Tagen sollte der Nachbar mit seinen Umbauten durch sein. Dann können wir wieder zurück, ohne jeden Morgen um fünf geweckt zu werden“, behauptete sie leise, „Zum Glück ist Marius eh unterwegs. Geschäftsreise. Wenn wir euch aber stören, kann ich gerne Miete für mein altes Kinderzimmer zah-“

„Papperlapap!“, unterbrach Jennifers Vater wie immer gutmütig, wenn sie Geld anbot, „Wir freuen uns, dass ihr hier seid. Ihr kommt so selten her! Was meinst du? Wollen wir morgen etwas unternehmen? Vielleicht ins Aquarium?“

„Etwas unternehmen? Ich bin morgen verabredet! Und Jennifer hat uns immer noch nicht erklärt, warum Ann zum Abendessen geweint hat! Also? Jennifer!“, warf ihre Mutter dazwischen.

Jennifer zuckte zusammen. Ihre Hände verkrampften sich. Erneut musste sie an ihre Tochter denken. Ann hatte sich so verzweifelt an sie geklammert. Immer wieder hatte sie nach ihrem Papa gefragt.

Und sie hatte einfach nichts sagen können.

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