Lilith schüttelte sich. Sie verrenkte sich, um ihren Rücken im Spiegel sehen zu können. Kratzte ihre Haut. Ihre Haut, die sich so glatt und eben anfühlte. Ihre Haut, die sich doch uneben anfühlen sollte. Ihre Haut, auf der Blaincs wahrer Schlüssel prangen sollte …
„Das darf nicht-“, sie drehte sich halb, um über ihre andere Schulter zu sehen, „Das kann nicht- Chemy!“
Ausgehend von links, Ausgehend von rechts, Treffen sich beiderlei Schritte Auf des Übergangs Mitte.
Die Brücke verbindet unsere Seiten, Sie lässt uns hinüberschreiten. Denn nirgends sonst ist ein Weg, Und nirgends sonst ist ein Steg, Über das endlose Gewässer Mit Steinen wie Messer.
Fordernd recken sie sich empor, Schauen aus Wellen hervor. Sie besiegeln das Ende, Wenn ich mich abwende, Wenn das Geländer nicht wär‘, Wenn ich die Lücken verehr‘ …
Schluckend blicke ich fort, Sehe in der Ferne dein Ressort. Es steht am Ende der Brücke, Hinter der einst so weiten Lücke, Die ich nun überbrücke!
Aber der Übergang ist federig. Der Übergang ist wackelig. Der Übergang ist moderig-
Auf meiner Seite.
Bei dir sieht es anders aus. Bei dir fehlt der düst’re Graus. Dort glänzt Marmor wie Mondenschein, Während mein Holz hier vor Pein
Schreit, Weint, Stirbt …
Die Brücke hat zwei Pfeiler, Zwei Seiten die sie stützt, So wird der Übergang beschützt.
Die Brücke hat zwei Pfeiler, Zwei Seiten – von jedem eine, Zwei Seiten – auch von mir eine.
Die Brücke hat zwei Pfeiler, Der drüben ist perfekt, Während meiner schon verreckt …
„Sie werden nun gezielt Ausschau nach dir halten“, murmelte ich, als ich Timmy endlich am Rande des Dorfes fand, „Und ich weiß nicht, ob … sie dich vielleicht sogar für verhext halten werden.“
Mein Blick schweifte über die Umgebung. Der Junge hatte sich auf eine Wiese zurückgezogen. Dieselbe Wiese, auf der ich mich einst nur kurz hingelegt hatte und plötzlich waren ganze Jahrzehnte vergangen. Hier hatten wir uns das erste Mal getroffen. Hier hatte ich seine Schritte vernommen. Seine grauen Augen das erste Mal erblickt …
Ob er sich daran noch erinnerte?
Nachdenklich betrachtete ich seinen zusammengekauerten Körper. Er sah so klein aus. Kleiner als Julie. Und so viel erschöpfter. All dieses Leid … Warum hatte die Familie immer so zu kämpfen?! Erst Jane. Dann anscheinend diese Marianne und Gretle. Nun Timmy und Julie …
„Bitte sei vorsichtiger. Das hätte auch schief gehen können“, bemerkte ich, als Timmy sich noch immer nicht rührte.
Schweigend beobachtete TJ das Waisenhaus. Es lag so abgelegen von der restlichen Welt – beinahe versteckt. Nur eine einzige, einsame Straße führte an dem riesigen Gebäude vorbei, das von Shizens Wäldern verborgen lag. Wenn die Apokalypse einträfe, würde man hier nichts davon mitbekommen.
Und wenn hier ein Unglück geschehen würde …
Besser hier, als woanders, versuchte er sich einzureden.
Ist klar, meldete sich John, seine zweite Seele, mürrisch zu Wort, Lass mich wissen, wenn du es wirklich ernst meinst.
Kopfschüttelnd lief TJ am Waldrand entlang. Er achtete darauf, nicht gesehen zu werden. Wenn man ihn sah, würden die Leute ihn ansprechen. Dann müsste er sich mit einer fremden Person beschäftigen. Dann müsste er höflich bleiben, obwohl er am liebsten-