Märchenstunde: Der Zirkel der Miracula II

„Hallo, mein Name ist Aura. Das ist die Kurzform von Aurora, weißt du?“, stellte sich der Vogel vor.

Das ängstliche Mädchen schüttelte den Kopf und schob sich gegen Miras Beine.

„Alles gut. Ich bin nicht hier, um dir zu schaden. Darf ich mir deine Stirn einmal ansehen? Nur kurz?“

Unschlüssig schaute das Kind zwischen Mira und dem großen Vogel hin und her. Sie wirkte angespannt. So, als wollte sie ablehnen. Als fürchtete sie sich jedoch, dann verstoßen zu werden. Deswegen schien sie auf Hilfe zu hoffen. Auf eine Eingebung.

Aber diese konnte Mira ihr nicht geben. Das Kind musste selbst entscheiden.

Jedem gehörte nur das eigene Leben!

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K: Heilwasser und Gift

Maggie lauschte den Worten des Lehrers uninteressiert. Es ging um irgendeine Epoche aus dem Mittelalter, die von Düsternis geprägt war. Krankheiten zogen damals durchs Land. Man hielt die meisten Frauen für Hexen. Zauberei war ein Teufelswerk.

Nachdenklich blätterte sie durch das Lehrbuch.

Mach es zu! Ich mag die Horrorbilder nicht!, meldete sich Alice und eilig schloss Maggie das Buch wieder.

Entschuldige, entgegnete sie ihrer anderen Seele, Ich habe nicht nachgedacht.

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K: Jessicas Familie

„Und dieser Nichtsnutz lässt sich wiedermal nicht blicken?“

„Er muss arbeiten“, entgegnete Jessicas Mama ruhig.

„Arbeiten! Aber sicher doch. An einem Wochenende!“

„Es gibt sehr viele Berufe, die rund um die Uhr besetzt sein müssen.“

„Pff! Und in welchem davon treibt er sich rum? Als Drogendealer? Ich glaube eher, dass er euch sitzen gelassen hat!“

Jessica zuckte unter den harschen Worten ihres Großvaters zusammen. Sie zwang sich zur Ruhe. Genauso, wie Papa es ihr beigebracht hatte. Sie musste ruhig bleiben. Sie und Nicole mussten die Worte an sich abprallen lassen. Sie durften nicht-

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K: Lebenswunsch

Unschlüssig beobachtete sie das Haus. Verglichen mit der Ruine im Wald erschien es ihr so riesig! Und dennoch hatte sie es nur durch Shizens Witze gefunden. Er hatte ihr von den nichtmagischen Bewohnern erzählt. Sie würden sich hier so irrsinnig verhalten. Gewiss waren ihre Leben einfacher. Einfacher und amüsanter.

Das hatte ihr Interesse geweckt.

Seither hatte sie sich alle paar Tage hierher getraut. So konnte sie die Menschen aus der Ferne beobachten. Es verwirrte sie, dass die Kinder sich so unbeschwert gaben. Dabei waren sie alle ungewollte Waisen, oder? Das behaupteten Shizens Desson doch!

„Es kommt jemand“, schnurrte Yuki in ihr Ohr und augenblicklich versteckten sie sich hinter dem nächsten Baum.

Fragend nickte Maggie hinter sich und die Gestaltwandlerin verwandelte sich in einen Käfer. Surrend flog sie um ihr Versteck, um die Lage aus zu peilen.

„Er räumt auf“, berichtete sie, als sie sich erneut auf ihrer Schulter niederließ.

„Hm.“

Mehr wusste Maggie nicht zu sagen. Nicht während sich die Stimmen in ihrem Kopf überschlugen. Die eine forderte den sofortigen Rückzug. Die andere wollte alles erkunden. Sie fühlte sich zwischen einer Einsiedlerin und einem kleinen Kind gefangen.

Dabei wollte sie selbst vor Angst nur erstarren.

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K: Nicht studieren

Ilse feuerte den Ofen an. Ein knarrendes, altes Ding, das älter als sie selbst war. Er musste noch mit Holzscheiten und dem Blasebalg vorgeheizt werden. Dennoch galt er zum Zeitpunkt des Hausbaus als modern.

Ganz im Gegensatz zu dem Kühlschrank daneben.

Stöhnend erhob sich Ilse und schloss den Ofen. Sie musste sich erst um das Frühstück kümmern. Danach kamen die Kuchen und Plätzchen ran, die sie an die Nachbarn verkaufte.

Es knarrte leise.

„Na? Endlich wieder daheim, Bekki?“

Geduldig wartete Ilse darauf, dass ihre jüngste Tochter in die Küche kam.

„Ich war nur kurz draußen, die frische Luft genießen“, erklärte Rebekka sogleich.

Ilse drehte sich nicht um. Sie kannte ihr Mädchen. Sie wusste wann es log.

Und sie wusste, wann es sich dafür schämen würde.

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