Die Stille

Urlaub. Frei. Ach, wie schön!
Daran könnt‘ ich mich gewöhn!
Ich strecke alle Glieder aus.
Denn heute geht es nicht hinaus.
Faul sein, wird heut‘ verlangt.
Faul sein, klingt sehr charmant!

Morgens wird entspannt gemacht,
Mittags über Haushalt gelacht,
Abends wurde Essen gebracht,
Gelesen wird die ganze Nacht!

Ach, wie wunderbar!
Ach, wie sonderbar.
Ach, wie … still ich doch bin.

Kein Wort fällt in diesen vier Wänden.
Die Gespräche mussten alle enden.
Die Gespräche werden doch vermisst.
Die Gespräche waren einst ein Bliss.

Auf Arbeit waren sie mir stets zu viel.
Zu viel Gemecker, zu viel, zu viel!
Stets gab es Streit, stets gab es Wut,
So verglühte mein wackliger Mut.

Mein Mut etwas zu tun,
Mein Mut zu reden,
Mein Mut zu singen,
Mein Mut zu leben!

Meine Stimme versagte
Und die Stille obsiegte.

Meine Stimme versagte
Und die Einsamkeit wiegte.

Meine Stimme versagte
Und mein Herz ward verschlossen.

Meine Stimme versagte
Und mein Ich ward gebrochen.

In aller Heimlichkeit roll‘ ich mich zusammen.
Ich taste mich an mich selbst heran.
Ich teste einen Laut, dann ein Wort.
Höre einen schiefen Akkord.

Meine Stimme ward von Außen verstummt.
Meine Stimme, einst so kunterbunt,
Wurde sie zerrissen –
Aus Hass? Aus Neid?
Wurde sie zerrissen –
Und ich bekam das Leid.

K: Soyokazes Überlieferung

Zangasha erschuf das erste Leben. Es war nur ein Experiment. Eine Seifenblase. Mehr nicht. Nur wollten sich die anderen Dimen davon nicht übertreffen lassen. Sie experimentierten mit dieser kleinen Seifenblase. Erschufen Fische. Amphibien. Reptilien. Vögel. Säuger …

Und vor allem letzteres faszinierte sie.

So kam es, dass Mingasha die ersten Menschen kreierte. Anfangs waren es noch recht einfache Wesen. Geschöpfe, die voneinander abhängig waren. Die Steine als Werkzeuge benutzten. Die nur langsam lernten. Und denen als allererstes eine facettenreiche Seele geschenkt wurde.

Mingasha nannte sie Hutan.

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Timothy – Unter Adel

Es dauerte fast zwei Wochen, bis wir das Anwesen von Elisabeths Familie erreichten. Zwei Wochen, in denen ich Julie nicht von der Seite wich. Ich konnte nicht. Ich hatte Angst, dass ich sonst vergessen würde, warum ich bei ihr blieb. Warum ich sie seit Monaten begleitete. Warum diese Madam und Sir Stark eine Gefahr für das Mädchen darstellten!

Es war eine Tortur.

Doch nicht nur für mich. Da Julie eingewilligt hatte, mit nach Frankreich zu kommen, musste sie nun auch eine andere Sprache lernen. Ihr Lehrer war ein dürrer, alter Mann mit schwindendem Haar, der ihr für jeden Fehler mit einem Stock auf die Finger schlug. Und obwohl diese Elisabeth Julie anständig behandeln ließ, so verbat sie dem Lehrer seine Methoden nicht.

Ich hasste es.

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K: Die Grün-Augen-Kobolde I

Isabel rührte lustlos in ihrem Mittagessen herum. Irgendein Auflauf. Sabine, die Betreuerin des Waisenhauses, hatte ihn vorhin zusammengewürfelt, doch konnte er das Mädchen nicht minder interessieren. Essen war nur eine Aufgabe.

Essen. Trinken. Schlafen. Aufstehen und Funktionieren … Das waren alles nur Aufgaben.

Aufgaben, in denen sie keinen Sinn sah.

„Ich weiß, es ist schwer“, erklärte ihr Stiefbruder Paul zum wiederholten Mal, „Aber Anja muss ihr eigenes Leben bewältigen. Und ihr eures. Verstehst du?“

Isabel blickte lustlos zu dem Älteren. Dann über die anderen besorgten Gesichter hinweg zu ihrem Zwilling Robby, der zumindest an seiner halben Scheibe Brot knabberte.

Er sah so müde aus …

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