C: Traumplagen I

Chem Wak sprang auf. Sein Herzschlag pochte wild durch seine Ohren. Sein stockender Atem kam keuchend und malte kleine Wölkchen in die eisige Luft. Seine zittrigen Hände versuchten, sich an seiner Matratze festzukrallen, ohne etwas greifen zu können. Und sein Pyjama klebte wie zäher Harz an seinem Körper.

Angestrengt schloss er die Augen und begann zu zählen.

Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf …

Erst als er hundert erreicht hatte, konnte er seine Hände wieder ruhig auf seinen Schenkeln ablegen. Jedoch dauerte es nochmal so lange, ehe sich auch Atem und Puls allmählich verlangsamten.

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K: Keine Medizin!

Tom musste auf die harte Tour lernen, dass das Leben nicht immer mit Fairness glänzte. Ob es nun der frühe Tod seiner Mutter, sein ihn misshandelnder Vater oder gar der Kampf nach einem normalen Leben war. Alles forderte seinen Preis. Alles zerrte an ihm.

Und nicht alles wusste er zu bestimmen.

Vielleicht hatte er deswegen mit seinen knapp sechzehn Jahren die Vaterrolle für einige der anderen Waisen eingenommen. Immerhin wusste er nur zu gut, wie sich ein Vater nicht zu verhalten hatte. Er wusste, was ein Vater nicht tun sollte. Was er nicht zu sagen hatte. Was er seinen Kindern niemals zumuten durfte …

Aber das bedeutete noch lange nicht, dass er immerzu wusste, was er sagen sollte.

„Christoph? Mach bitte die Tür auf“, Tom klopfte erneut gegen das Holz – dennoch bemühte er sich aber, die Stimme nicht anzuheben.

„Nein! Keine Medizin! Medizin böse! Medizin schlecht!“, schrie ihm der Dreijährige entgegen, als würde es um sein Überleben gehen.

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