B: Ein Teil der Vergangenheit

„Aber du erinnerst dich nicht mehr richtig, oder?“

Sie ließ sich auf sein Bett fallen. Auf Lucas‘ Bett. Zum ersten Mal konnte sie die medizinischen Geräte richtig erblicken. Eines zeichnete verschiedene Werte auf. Ein anderes versorgte ihn mit einem Plastikschlauch. Daneben war noch eines mit einer Atemmaske. Eine, die er extra für sie abgesetzt hatte, wenn sie die schwingenden Schlaufen daran richtig einschätzte.

„Ich … Ich erinnere mich, Lilith Bach gewesen zu sein. Aber hier bin ich Liane Rivers. Nur fühlt sich der Name nicht richtig an. Er-“

„Weil du immer noch Lilith bist.“

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B: Der alte Babybruder

„Bist du dir wirklich sicher?“, fragte Oliver leise. 

Liane nickte. Sie hatte sich noch nie so sicher bei etwas gefühlt. Und vor allem aufgeregt! Vielleicht war es doch ganz gut gewesen, dass Olivers Vater sie gefahren hatte. Ihre Gedanken waren immer noch so wirr, dass sie kaum klar denken konnte. Wie hätte sie ihre Umstiege mit dem Bus einhalten sollen? Wie sich nicht verlaufen? Denn immerzu hatten sich die Artikel über die Bachfamilie in ihre Gedanken geschlichen. Sie hatten vergessene Bilder in ihrem Kopf zum Leben erweckt. Bilder, die sich realer anfühlten als ihr Freund Oliver, der die ganze Zeit an ihrer Seite blieb und ihre Hand hielt.

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Timothy – Die Hitze der Schwestern

Das Leben in Frankreich war anders.

Noch am ersten Tag forderte Elisabeths Vater, dass sich Julie anpassen müsse. Sie habe die Sprache zu lernen. Habe ihren Namen zu ändern. Habe jegliche Benimmregeln zu verinnerlichen, wenn sie als Gefährtin für seine andere Tochter dienen wolle.

Und so wurde aus Julie Julia.

Am liebsten hätte ich sie gefragt, ob sie damit auch glücklich war. Ich wäre jederzeit bereit, sie dieser Hölle zu entreißen. Wenn sie es so wollte, verstand sich. Denn ich wollte ihr Leben nicht schon wieder auf den Kopf stellen. Nicht, wenn sie sich so entschlossen durch ihren Unterricht kämpfte. Wenn sie endlich wieder lächelte, während sie mit Maria spielte. Wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben immer drei warme Mahlzeiten bekam …

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Timothy – Unter Adel

Es dauerte fast zwei Wochen, bis wir das Anwesen von Elisabeths Familie erreichten. Zwei Wochen, in denen ich Julie nicht von der Seite wich. Ich konnte nicht. Ich hatte Angst, dass ich sonst vergessen würde, warum ich bei ihr blieb. Warum ich sie seit Monaten begleitete. Warum diese Madam und Sir Stark eine Gefahr für das Mädchen darstellten!

Es war eine Tortur.

Doch nicht nur für mich. Da Julie eingewilligt hatte, mit nach Frankreich zu kommen, musste sie nun auch eine andere Sprache lernen. Ihr Lehrer war ein dürrer, alter Mann mit schwindendem Haar, der ihr für jeden Fehler mit einem Stock auf die Finger schlug. Und obwohl diese Elisabeth Julie anständig behandeln ließ, so verbat sie dem Lehrer seine Methoden nicht.

Ich hasste es.

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B: Hilfesuche

Das erste Steinchen prallte gegen den Fensterrahmen. Das zweite traf allerdings die Glasscheibe. Ehe sie das dritte werfen konnte, tauchte Olivers verschlafene Gestalt dahinter auf.

Erleichtert wank Liane ihrem Freund zu. Sie deutete zur Haustür. Dann eilte sie auch schon um das Haus herum und wartete ungeduldig darauf, dass er ihr öffnete.

„Es ist noch nicht mal um fünf“, murmelte Oliver, als er ihr öffnete.

„Ich weiß. Es ist wichtig. Und- Entschuldige für die Steinchen. Ich bin vorhin ohne Handy los. Ist ziemlich verrückt und- Ich brauche deine Hilfe“, sie fühlte sich atemlos an.

Atemlos, aber entschlossen.

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