B: Anschleichendes Nachspiel

Es dauerte knapp zwei Stunden, bis die ganze Schule über Betty informiert war. Zuvor hatte es nur ein paar Gerüchte gegeben. Kurze Geschichten, die auf den Fluren die Runde machten und mit jeder Wiederholung etwas aufgeplustert wurden. Aber als Bettys Vater sie aus dem Sekretariat abholte, konnte sich niemand mehr zu den Unwissenden zählen.

„DAS SIND REINE UNTERSTELLUNGEN!“, schrie dieser aus.

Unruhig schaute Liane zur Tür. Ihr jetziger Unterrichtsraum lag zwei Etagen und eine Flurlänge vom Sekretariat entfernt und dennoch konnte sie den Mann schon seit einer Viertelstunde glasklar hören.

Als würde er neben ihr stehen.

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B: Alles wird gut

Lianes Hände zitterten immer noch.

Unsicher verschränkte sie die Finger ineinander und bemühte sich, sie unter Spannung zu halten. Sie durfte sie nicht lockern. Sie durfte keinen Stift ergreifen. Sie durfte nicht wieder diesen Stern zeichnen …

Die letzte Stunde kam Liane wie ein Traum vor. Sie wusste sich ja kaum noch daran zu erinnern, wie ihr Physiklehrer sich nach ihrem Befinden erkundigt hatte. Wie ihre Klassenkameraden getuschelt hatten. Wie sie geweint hatte-

Ja. Stimmt. Sie hatte geweint. Sie hatte sich plötzlich so schuldig gefühlt. Es war ein schäbiges Gefühl gewesen. Beinahe so, als ob sie jemanden absichtlich verletzt hätte! Selbst nachdem der Physiker sie ins Sekretariat gebracht und die strenge Katholikin Lianes Vater angerufen hatte, wollte das Gefühl nicht verschwinden. Immer wieder kam das Salzwasser zurück und suchte sich seinen Weg in die Freiheit.

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