M: Der erste Myles III

Radius schluckte ihren Frust herunter, als sie sich der Halle näherte. In einer fließenden Bewegung schlüpfte sie aus den Ärmeln ihrer Jacke und band sie sich um die Hüfte. Gleich würde ihr schon warm werden. Und sie hatte keine Lust, dass der Stoff wieder an ihrer Haut klebte …

Mit festen Schlägen klopfte sie gegen die Tür. Sie wartete, bis Schritte auf der anderen Seite ertönten. Bis diese stoppten. Bis Schlüssel ratterten.

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B: Checked-In

Die Fahrt im Auto verlief angespannt. Angespannt aber erleichtert. Chemy hatte sich zu Olivers Vater nach vorne gesetzt, während Tina, Shiloh und Oliver sich mit Lilith hinten ins Fahrzeug gequetscht hatten. Wahrscheinlich waren ihm die anderen Jugendlichen zu suspekt gewesen. Vielleicht waren sie und Oliver ihm zu nass. Oder er musste noch seine Gedanken ordnen. Vielleicht hatte er deswegen das Zwischenfenster der Limo nach oben gefahren?

„Du wärst fast gestorben …“, hauchte Tina nach einer Weile aus.

Unschlüssig sah Lilith zu ihr herüber. Dann nickte sie.

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M: Der erste Myles II

Mortes harrte fast drei Stunden in der Dunkelheit aus, ehe die ersten Geräusche erklangen. Ein Schaben. Ein Kratzen. Dann stille Schritte.

Angespannt wartete er, bis er die andere nur noch wenige Meter von sich entfernt glaubte. Erst dann knipste er sein Feuerzeug an und präsentierte dabei seine – bis auf die mickrige Lichtquelle – leeren Hände.

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Am Boden

Einsam und verloren,
Im Inneren erfroren,
Nach Außen ein Lächeln,
Ich darf ja nicht schwächeln.

Erschöpft, ohne Kraft,
Während ein jeder lacht,
Während jeder sich freut,
Fühl‘ ich mich wie betäubt.

Die Steine liegen-
Nein! Sie fliegen,
Mir mitten ins Gesicht,
Doch Schmerz spür‘ ich nicht …

Wer spürt schon die Tropfen im Meer,
Wenn das Wasser drückt so schwer?
Beim Ertrinken wird es nicht vermessen,
Man wird stattdessen am Boden vergessen …

Am Boden unter so viel Nass,
Wird meine Haut ganz blass,
Während ich mich verlass …

Ein Lächeln nach oben
Vom untersten Boden
An jene mit ihren Sorgen,
An jene mit einem Morgen …

An jene, die mich hochziehen?

Die Hände sie reichen,
Sie sind mir ein Zeichen,
Sie wollen nicht weichen,
Lassen mich nicht erbleichen!

Sie zerren mich an die Luft,
Zerren mich aus der nassen Gruft,
Sie zerren mich zurück ins Leben,
Das ich beinah hätt‘ vergeben

Und schenken mir Seelfrieden.

Timothy – Der Befehl der Rettung

Ich umkreiste Timmy und diese Madam besorgt. Es beunruhigte mich, wie gelassen Janes Enkel bei der Flucht blieb. Auch die unschlüssigen Blicke des Mädchens waren alles andere als hilfreich. Ob sie Angst vor Timmy hatte? Immerhin konnte sie mich ja nicht sehen. Sie wusste nicht, wie ich Ausschau hielt, Timmy die Positionen der anderen Leute zuflüsterte und so seine Schritte lenkte.

„Stopp“, warnte ich, während ich um die nächste Ecke sah, „Die Alte ist nebenan. Einen Moment.“

Damit glitt ich zu ihr herüber und konzentrierte mich auf den mickrigen Docht in ihrer Lampe. Ich musste mich nur kurz konzentrieren. Mich an meine Wut erinnern – und schon loderte die Flamme daran grell auf.

Schreiend ließ die Frau das Licht fallen und eilte in Richtung Küche. Sie schimpfte von Hexerei. Vom Teufel.

Nicht von einem Geist.

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