M: Abschied nehmen II

Verärgert riss Angeline das fünfte Blatt aus ihrem Schreibblock und starrte verbissen auf die neue leere Seite.

Den ersten Brief hatte sie bereits im ersten Satz abgebrochen. Beim zweiten war sie fast bis zum Ende gekommen, ehe ihre Gefühle ausbrachen. Im dritten hatte sie innegehalten, weil sich die Worte in ihrem Kopf zu kühl angefühlt hatten. Und der letzte?

Sie konnte Michael nicht schreiben, dass sie ginge und wiederkäme! Er würde sonst nach einem Grund suchen. Er wüsste, dass sie nicht in ihr Elternhaus und zu Tyler zurückkehren würde, nur um ihn nach einem Jahr wieder sich selbst zu überlassen. Es wäre zu herzlos ihrem Bruder gegenüber! Nein. Sie durfte kein Wiedersehen in Aussicht stellen. Sie musste …

Schluss machen? Ja- Nein! Doch. Sie wollte nicht! Nein! Nein! NEIN!

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M: Abschied nehmen I

Der Weg nach oben fühlte sich unendlich länger an. Kräftezerrender. Immer wieder spannte sich Angeline an. Sie erwartete beinahe, dass sie aufgeflogen wäre. Wenn Niklas ahnte, was sie vorhatte, warum sie wirklich die Worte ihrer Mutter anders interpretiert hatte … Würde er seine Abmachungen mit ihr vergessen? Oder anders auslegen? Es wäre möglich, oder? Niklas hatte ja auch den ursprünglichen Deal immer seinen Wünschen entsprechend angepasst …

Und sie war nicht ihre Mom.

Sie war keine Radius. Sie war Angeline. Das einzige, was er von ihr im Endeffekt bekam, war der Mädchenname ihrer Mutter. Reichte ihm das wirklich?

Die Zweifel schlichen sich in einem stetigen Rhythmus an. Am liebsten wollte sie direkt zu Michael. Einfach, um mit ihm reden. Sollte sie ihm doch lieber von ihrer Abmachung mit Niklas erzählen? Von ihrem Plan?

Von ihren Umständen?

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M: Die Kluft der Chengs

Kim wartete, bis der Arzt ihr das Okay gab. Es war der übliche Humbug. Erst wenn sie sich angemeldet und Niklas ihren Besuch bestätigt hatte, ließen die Leute sie auch durch.

„Sie haben maximal zwei Stunden“, erklärte der Arzt nach seinem kurzen Telefonat, „Und bitte beschädigen Sie nicht wieder das Mobiliar.“

Stumm wandte sich die rothaarige Asiatin ab. Die meisten anderen durften nicht so mit ihr sprechen. Aber die meisten anderen kümmerten sich auch nicht um ihre verstümmelte Mutter.

Zielsicher lief sie die Krankenhausgänge entlang. Sie musste ans andere Ende des Gebäudes. Dort waren die stationären Fälle. Jene, die Niklas nicht gehen lassen würde. Nicht, solange er Kim oder ihren Bruder noch brauchen würde.

Es war ein besseres Gefängnis.

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M: Über die Familie

Lucifer atmete tief ein. Dann aus. Sachte rollte er seine Schultern nach hinten.

Noch immer konnte er die Wunde auf seinem Rücken spüren. Sie brannte. Jedoch war kein Gift dafür verantwortlich. Eher der Verrat, der ihn pochend verfolgte. Der ihn mit seinen Krallen in der Nacht heimsuchte. Der seine Messer nach ihm-

Wie hatte er ihr nur vertrauen können?!

„Und ihr seid heute Abend zurück?“, fragte der Junge gerade die Polizistin. Sue. Oder Lydia. Was wusste Lucifer schon. Sie war unwichtig. Der Bengel war unwich-

Nein.

Lucifer atmete nochmal durch.

Der Junge war nicht unwichtig. Er war Angelines Bruder. Er kümmerte sich um das Baby. Um seinen Neffen. Er blieb zurück, während der Rest auszog, um Michael zu retten. Dieser Junge gehörte zu seiner Familie. Er …

Er ähnelte Michael.

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Getaway: Brief

Am 10. Mai 2020 wird Merichaven: Getaway erscheinen und die Handlung von Kidnapped zum größten Teil abschließen.

Passend dazu präsentiere ich Euch hier den nächsten Brief, der die Inhaltsangabe für das Buch ersetzen wird.

© Medra Yawa

Die Transkription wird sich erneut mit im Buch befinden. Ansonsten möchte ich Euch noch kurz an die Lesung zu Merichaven: Getaway am 09. Mai über den Discordserver, Der Fluss der Fantasie, erinnern. Vielleicht habt ihr ja Zeit, reinzuhören C:

Oh, je. Ich hoffe, dass ihr bereits so aufgeregt seid, wie ich es bin! Mein Flummimodus ist schon seit Tagen aktiviert! CX

Viel Spaß beim Lesen C:

Beste Grüße
Medra

PS: Ich freue mich über jede Rezension CCC: