M: Weihnachtsfest

„Aber wenn man bedenkt, dass eine Zuwiderhandlung vorliegt und der Polizei erst verspätet die Befugnis erteilt wurde, macht es die komplette Anklage nichtig“, erklärte Jasmine stolz und schweigend stimmte Jane den Worten zu.

Sie sah nicht zu ihrer großen Schwester oder ihrem Vater neben ihr auf. Still beobachtete Jane das Tannengesteck auf dem Tisch, während ihre Gedanken um eine vergangene Erinnerung kreisten. Um Jack, der ihr geholfen hatte. Um die Konsequenzen, die ihm nun drohten. Um die Gleichgültigkeit, die ihr Vater ausstrahlte.

Um diese kalte Berechnung in seinen Augen.

„Gut. Deine Ausarbeitungen hast du fertig?“, fragte ihr Vater so uninteressiert, als würde er über anderer Kinder Hausaufgaben sprechen und nicht über einen der wichtigsten Fälle, die seine Kanzlei derzeit hatte.

Oder gar einen der skandalösesten, weil er ihn akzeptiert hatte.

„Ja, ganz so wie du wolltest, Vater“, Jasmine schob ein paar Blätter über den Esstisch. Weißes Papier, das sorgfältig mit einer Schreibmaschine beschrieben wurde. Es war der Wunsch ihres Vaters, alle schriftlichen Arbeiten so vorzulegen. Denn wäre auch nur ein Fehler auf den Seiten, so würden sie es noch einmal neu tippen müssen.

Korrekturen waren inakzeptabel.

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M: Janes Gewissen

Still schlich sich Jane durch die düstere Wohnung. Die Schatten krochen an ihr hoch. Umwoben sie wie eine sanfte Liebkosung. Eine Zärtlichkeit, die ihr so vertraut war. Die sie weiter den Flur entlanglaufen ließ, obwohl sie kaum die Formen in der Schwärze ausmachen konnte.

Sie war viel zu spät dran. Wenn ihr Vater daheim war, wenn er bemerken würde, dass sie nun erst nach Hause käme, würde er sie nicht nur belehren. Er würde seine angedrohten Konsequenzen wahr machen – er würde vielleicht noch ihre Schwester mit hineinziehen!

Ihre Schwester, die zwar älter, aber so viel zerbrechlicher und naiver war. Dieser Mistkerl von einem Vater würde sie-

„Du bist spät dran.“

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