Timothy – Zusammen allein …

Ich fand ihn im Dorf wieder. In demselben Dorf, in dem ich Jane zurückgelassen hatte. In demselben Dorf, dessen Straßen dieselben Wege entlangliefen. In demselben Dorf, das nun dennoch so anders aussah …

Wo kamen die ganzen neuen Häuser her? Warum wirkte die Kirche so alt und schäbig? Auch die Gehwege erschienen mir so … stabil?

Unschlüssig betrachtete ich den Marktplatz von den umliegenden Dächern. So viele Leute tummelten sich da unten herum. Dazu noch all diese Stände! Komisch. Woher kamen die ganzen Waren? Die Hälfte davon wusste ich nicht einmal zu benennen!

Der Junge schlich sich durch die Menge. Immer wieder fielen seine hungrigen Augen auf die Lebensmittel. Jedoch blieb er nicht stehen. Wer stehen blieb, wurde von den Verkäufern eindringlich gemustert. Das würde-

Flink schnappte er sich einen Apfel und ließ ihn in den Falten seiner zu großen Kleidung verschwinden. Direkt zu dem Brötchen, das er zuvor ergaunert hatte.

Wieder hatte niemand ihn bemerkt.

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Timothy – In grauen Augen …

Fast zehn Jahre wachte ich über Jane. Ich beobachtete, wie der Exorzist sich von ihr verabschiedete. Ich blieb bei ihr, als ihr Vater im darauffolgenden Winter an einem Husten verstarb. Und ich folgte ihr wie ein Schatten, als ein altes Ehepärchen aus dem Dorf sie aufnahm.

Dennoch konnte sie mich nicht sehen.

Manchmal glaubte ich, dass sie meine Anwesenheit spüren musste. Dass sie bemerkte, wie ich hilflos die Hand nach ihr ausstrecken wollte. Sie hielt dann immer ganz kurz inne. Sie schien etwas sagen zu wollen. Sich zu entspannen. Sich in meine Richtung zu lehnen.

Nur um dann weiter zu machen.

Ich war zu einem vergessenen Traum verkommen.

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Timothy – Die Ernte …

Unruhe erfasste mich, als die große Tür hinter Jane zufiel. Ich wollte sie nicht aus den Augen lassen, aber ich musste mich auch sammeln. Ich musste meinen Zorn richtig lenken. Ich brauchte ihn!

Der Exorzist stapfte durch den Schnee an mir vorbei. Ich beobachtete, wie er sich kurz abklopfte, ehe er die Kirche betrat. Er wirkte so gefasst. So gelassen.

Ich musste ihn mir zu Nutze machen!

Entschlossen schwebte ich durch die Mauern und setzte mich auf das Podest. Genau hinter den Pfarrer. Wie geduldig der Mann doch auf die Dorfbewohner wartete. Als wollte er sein Publikum vollständig wissen.

Dennoch huschte sein Blick immer wieder zu Jane, die sich in der ersten Reihe niedergelassen hatte. Ich konnte Unsicherheit in seinem Blick erkennen. Warum? War er noch von meiner morgendlichen Anwesenheit verängstigt?

Erst als der Exorzist sich neben ihr niederließ, schien sich der Pfarrer zu beruhigen.

Vorerst.

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Timothy – Die grüne Tinte …

Die ganze Nacht wachte ich neben dem schlafenden Pfarrer. Ich konnte nicht anders. Ich konnte nicht verstehen, wie Jane an ihrem Glauben gegenüber Gott festhalten konnte, wenn die Leute Gottes sie doch Tod sehen wollten! Womit hatte sie das verdient? Sie war nur ein Mädchen! Nur ein Mädch-

Genau wie Evangeline.

Ja. Evangeline und ich … wir waren auch nur Kinder gewesen. Und dennoch hatte man unsere Leben verlangt. Welcher Gott war so grausam? Welcher Gott war so-

Der Mann vor mir rührte sich. Schwerfällig setzte er sich auf und streckte die Arme in die Höhe. Seine Gelenke knackten leise. Er erhob sich gähnend. Seufzend. Schlürfte so orientierungslos durch seine Gemächer und-

Obwohl er mich nicht sah, zog er einen Bogen um mich? Ha! Wenn er nur die Augen aufreißen könnte! Wenn er mich sehen könnte! Wenn …

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Timothy – Für dich …

Ich fand Jane neben ihrem Vater. Schroff wies er sie zurecht, weil die Waren nicht ordentlich festgebunden waren. Er meinte, dass sie etwas unterwegs verloren hätten, dass er Jane am liebsten zu Fuß durch den Schnee jagen wollte, bis sie es wiederfand!

Ein Teil von mir, hätte sich darüber gefreut. Dann könnte sie dem Pfarrer und diesem dummen Exorzisten entkommen!

Aber wenn sie starb …

„Verzeihung. Es wird nie wieder vorkommen, Vater“, sprach sie so gefasst und unterwürfig, dass es mir wehtat.

„Das hoffe ich für dich!“, fluchend wandte er sich endlich ab.

Erst danach sah sie auf. Ein eigenwilliger Gesichtsausdruck begrüßte mich. Er schrie von Ungerechtigkeit. Von Angst. Von Schmerzen.

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