Tarek John verschränkte die Arme vor der Brust. Er spürte, wie seine zweite Seele vor Wut zitterte. Dennoch weigerte er sich, John die Kontrolle zu überlassen. Er durfte diesen nicht hinaus lassen. Nicht im Tempel. Nicht vor dem obersten Priester …
Nicht vor jener Person, die er am liebsten in der Luft zerreißen wollte.
Lass mich!, dröhnte es da auch schon durch seinen Kopf, Er hat kein Recht-
Man hatte Mira in den Wald gejagt. An dem Tag, an dem ihr kleiner Bruder seinen ersten Namenstag feierte, hatte ihr Vater sie ausgestoßen. Sie wäre nun nichts mehr wert. Ihr Bruder hätte das erste Jahr ja gemeistert. Er konnte bereits laufen. Die ersten Worte sprechen. Er war vielversprechend!
Vielversprechender als sie. Sie war ja nur ein Mund zu viel, den ihre Eltern stopfen mussten.
Mira hatte nichts mitnehmen dürfen. Einzig der Lumpen namens Kleidung war ihr geblieben. Aber der war eh mehr Deko als Kälteschutz. Die richtige Kleidung, das Essen, ihre Eltern gehörten ihrem Bruder.
Dem besseren Kind.
Schluchzend stolperte sie über eine Wurzel und taumelte ins Unterholz. Die Gräser hier waren noch feucht vom Tau. Feucht und kalt. Doch Mira spürte die Kälte nicht. Sie war das Zittern gewohnt. Sie war die Einsamkeit in ihrem Herzen gewohnt. Dieses Gefühl, nicht erwünscht zu sein …
„Wäre ich nur ein Junge“, flüsterte sie und wandte sich vom Pfad ab.