Gestern, Jetzt und Morgen

Ich bestaune die Abdrücke.
Jeden einzelnen Schritt.
Ich bestaune die Abdrücke,
Trete nicht draus zurück.

Einst erschienen sie mir riesig.
Gewaltig sogar!
Einst erschienen sie mir riesig,
Doch war das auch wahr?

Meine Umrisse sind nun ebenso groß.
Meine Umrisse erscheinen mir dubios.
Meine Umrisse sind kein Schatten mehr.
Sie befüllen die Abdrücke fair.

Vor mir steht das Gestern.
Mit seinen alten Semestern.
Mit seinem hängenden Armen-
Ich kann’s kaum ertragen!

Denn ich bin das Jetzt.
Das Jetzt, das die Spuren ersetzt.
Das Jetzt, das das Heute fetzt.
Das Jetzt, das aufs Ganze setzt!

Ja. Ich fülle die Spuren aus!
Ich mache das beste daraus.
Ich bin nun endlich am Zug-
Gewartet habe ich genug!

Doch schmerzt es am Fuße,
Beide bitten um Buße.
Sie verzweifeln am Wege,
Bitten um dringende Pflege.

Und hinter mir scharrt es.

Morgen wartet auf seinen Tag.
Morgen steht schon am Start.
Morgen füllt fast meine Spuren aus.
Morgen wartet auf seinen Applaus …

Und ich renne im Stress
Auf das ich Morgen vergess‘.

M: Verzweifelte Suche II

„Warum?“

Das Mädchen blinzelte Michael an. Sie schien sich selbst unschlüssig zu sein. Beinahe, als hätte sie ihn ganz vergessen. Als wäre ihr gar nicht klar gewesen, dass er ja hier war. Dass sie ja ihm geholfen hatte!

„Warum nicht? Soll ich dich etwa verbluten lassen?«, erkundigte sie sich und sammelte den Müll auf.

„Das hätten zumindest andere gemacht, lil‘ angel“, entglitt ihm lachend.

„Warum nennst du mich so?“

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Der Ringelingering

Der Ringelingering
Ist ein runder Ring,
Ein gar verrücktes Ding!

Er saß einst auf einem Gipfel,
Auf des Berges Zipfel, 
Was für ein Gewitzel!

Denn das fand er öde,
Das fand er trist,
Da es immer dasselbe ist.

Also dachte sich der Ringelingering,
Dieser viel zu runde Ring:
„Ich mach‘ nun ein verrücktes Ding!“

So rollte er hinab.
Hinab, hinab!
Im satten Trab!

Er rollte hinab ins Tal,
Das sah gut aus – allemal! 
Das war eine gar lustige Wahl.

Denn er sauste so schnell,
Er sauste so viel!
Was für ein himmlisches Spiel!

Er rollte hinab.
Hinab, hinab!
Im satten Trab!

Bis er stoppte im Tal.

Denn im Tal verendete
Das steile Gelände.
Das Tal war eben.
Ohne rollendes Streben.

Missmutig blickte der Ringelingering,
Dieses traurige Ding, 
Zurück.
Ach, wie vermisste er dieses Glück!
Dieses berauschende Rennen …
Er wollte sich nicht vom Spaß trennen!

Also kletterte der Ringelingeling,
Dieses mutige, kleine Ding,
Wieder hinauf.

Hinauf, Hinauf zum Gipfel.
Zu diesem hohen Zipfel.
Zu seinem einstigen Gewitzel!

Um erneut hinab zu rollen
Und ewig umher zu tollen!

Das heutige Gedicht ist eigentlich eine spontane Gute-Nacht-Geschichte für meine Kinder gewesen. Jedoch wollte ich Euch die Albernheit nicht vorenthalten C;

Medra

Herbst

Rot. Orange. Gelb.
Denn so gefällt
… das Feld?
Nein:
Die ganze Welt!

In Farben getränkt,
Wird Kälte verdrängt.
Wird abgelenkt …

Der Nebel verzieht sich,
Bringt alle Wunder ans Licht.
Das Tau glitzert im Anblick
Und wirkt dabei so schick!

Oh! Da ein Reh!
Dass ich dich hier seh‘.
Eichhörnchen und Igel …
Fehlt nur noch Fuchs und Wiesel!

Ach, farbenfrohe Welt,
Dich gibt’s für kein Geld!

Wir schreiten voran,
Schreiten von dann’n.
Immer tiefer in den Wald,
Tiefer in die Vielfalt.

Denn das trockene Laub
Versteckt knistert
Und flüsternd,
Was sich hinter uns zusammenbraut.

Am Horizont.

Erst war es ein sanftes Ziehen,
Plötzlich waren wir auf Knien.
Wir schrien.
Wollten fliehen!

Peitschende Winde!
Peitschende Lüfte!
Peitschende Gewalten!
Peitschende Übergriffe!

Die bunten Blätter wehen von dannen.
Sie schlagen um sich – wollen verdammen!
Matsch, Sturm und Regen
Wollen uns fortwehen!

Dann nach Ewigkeiten
Endlich Segen …

Stille.

Knarren.

Stille.

Verharren.

Stille.

KNALL!

Der Schall hallt
In unseren Ohren wider.
Vor uns legte sich
Eine Eiche nieder.

Und starb durch den Sturm

Des Herbstes.

Fujis Zeitreise

„Wie viele Metallvögel es wohl gibt?“, fragte sich Fuji, als er dem nächsten auswich.

Viel zu viele hatten bereits durch ihn hindurchfliegen wollen. Mal waren es kleine. Mal große. Mal hatten sie Rotorblätter. Mal starre Flügel mit Turbinen. Aber immerzu waren sie mit derselben Höflichkeit ausgestattet. Einer Höflichkeit, die jegliche Entschuldigungen verbat.

Und das, obwohl sie die Wolke beinahe zerstörten!

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