Timothy – Das Vorhaben

Timmy kam erst in den frühen Abendstunden zurück. Begeistert erzählte er Julie von seinem Tag. Und von dem Fischer, dem er helfen durfte. Er wäre ziemlich streng gewesen. Aber er hatte ihm einen guten Lohn gezahlt, dafür, dass er eine bloße Schriftrolle überbrachte. Genug, damit er ein ganzes Laib Brot kaufen konnte!

Stolz brodelte geradezu aus ihm heraus, während er jedes Detail wiedergab. Es war nur eine kleine Aufgabe gewesen – aber er hatte sie allein erfüllt. Und er hatte sich dadurch etwas Essbares verdienen können!

Unschlüssig schob ich meine Erkenntnisse über unsere Nachbarn beiseite, während er mit Julie aß. Ich wollte sie nicht ablenken. Dennoch bemerkte ich, wie Timmy immer wieder fragend zu mir herüber sah. Als würde er ahnen, dass ich mich unwohl fühlte.

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Timothy – Die Nachbarn

Während Timmy die nächsten Tage immer in die Stadt ging, um Arbeit zu suchen oder gar die Leute im Hafen ausfragte, um alles Erdenkliche zu lernen, blieb ich bei Julie. Nun. Das behauptete ich zumindest vor ihm.

Stattdessen zog auch ich meine Runden. Ich wusste, dass meine geisterhafte Existenz nicht viel bewirken konnte. Nicht so. Aber ich konnte Informationen beschaffen. Ich konnte die Menschen kennenlernen. Ich konnte schauen, wer Hilfe bräuchte. Wer Arbeit hätte. Wen man meiden sollte. Dadurch konnte ich Timmy notfalls den richtigen Weg weisen. Ich konnte den Geschwistern eine Zukunft ermöglichen!

Ich durfte sie nur nicht bei meinen Ausflügen vergessen …

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Märchenstunde: Die Nachfolgesuche II

Domini harrte mit seiner Schwester vier Tage außerhalb des Berges aus. Vier Tage, in denen ihre Mahlzeiten aus Wasser und Beeren bestanden. Er kümmerte sich gutmütig um Nova. Genauso, wie es seine Mutter gewollt hätte.

Wenn ihr fetter Vater sie nur am Leben gelassen hätte!

Am fünften Tag fand einer seiner älteren Halbbrüder ihr Lager. Grinsend schlenderte er herüber und setzte sich an das Lagerfeuer, das Domini verloren angestarrt hatte.

„Unter Tage wirktest du lebendiger. Bedrohlicher, weißt du?“, fragte er.

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KG: Timothy – Angekommen …

In der Hafenstadt lebten die Menschen nur für sich selbst.

Erleichtert und ängstlich zugleich beobachtete ich, wie sich niemand nach Timmy oder Julie umsah. So konnten die beiden ihre erste Nacht ungehindert auf offener Straße verbringen. Bis zur zweiten hatte Timmy bereits eine Mulde weiter Stadtauswärts ausgemacht, in der er ihren neuen Unterschlupf bauen wollte. Nur vorübergehend, behauptete er vor Julie. Damit sie erstmal vor Wind und Wetter geschützt wären.

Seine Schwester hätte an dem Tag allem lächelnd zugestimmt.

Das Mädchen war vom Meer wie verzaubert. Sie wollte diesen Ort nie wieder verlassen! Überglücklich fragte sie Timmy, wann wohl Mutter und Gretle kämen. Sie wolle diese Aussicht, dieses Paradies mit allen teilen!

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M: Kraftlos

Diana zog sich wie ein Roboter an. Ruckartig. Still. Ohne Nachzudenken. Wenn sie die Gedanken zuließe, würden auch die Gefühle kommen. Und dann würden die Tränen sie wieder überwältigen.

Dabei hatte sie schon so viel geweint …

Ihre Finger rutschten an einem kleinen Knopf ab. Er war schwarz. Genauso schwarz wie ihre restlichen Anziehsachen. Alle würden heute schwarz tragen. Es war immerhin Ma-

Erneut rutschte sie ab. Diesmal am zweiten Knopf. Sie atmete tief durch. Schloss die Augen. Versuchte es noch einmal.

Aber sobald sie ihre Finger anspannte, begannen sie zu zittern.

Nein!

Diana kniff die Augen zu. Sie stellte sich vor, wie sie etwas anderes anzog. Irgendetwas buntes. Genau. Sie hatte so ein grünes Top im Schrank. Das hatte so ähnliche Knöpfe am Kragen. Marie hatte immer gemeint, dass es wie-

Marie.

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