M: Blühende Hoffnung

„Was machst du da?“

Überrascht sah Sophie zu ihrem jüngeren Bruder auf. Sie hatte nicht erwartet, dass er zu ihr in den Garten kommen würde. Nicht zu dieser Jahreszeit, wo es noch so bitterkalt draußen war. In der Stube warteten immerhin der laufende Fernseher und ein paar Schokoladenkekse auf ihren Tyler!

Und in einem anderen Leben würde sie sich vielleicht dazugesellen …

„Ich pflanze ein paar Blumen. Damit es im Sommer schön aussieht“, erklärte sie ihm und stieß die Schaufel wieder in den Boden, um ein weiteres Loch in den Boden zu stechen.

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Frühling

Kleine Grünlinge,
Winzige Ringel,
Stechen klar hervor.

So rege
Finden sie Wege,
Schießen hoch empor.

Krokusse, Veilchen
Und in einem Weilchen
Folgt die gesamte Pracht –
Hei, dann wird gelacht!

Bunte Flecken,
Spielen Verstecken.
Trällernde Lieder,
Klingen wider.
Das Leben beginnt,
Der Schnee zerrinnt.

Es frohlockt mit Rufen.
Es zerrt einen über Stufen
Immer höher hinauf.
Und – wow!

Wie es prächtig erscheint,
Wie es Trauer verneint,
Wie es alle vereint!

Inmitten dieser Schönheit,
Verbirgt sich die Abwesenheit,
Des letzten Jahres.

Für nun beginnt es erneut,
Das Lied, das die Welt erfreut.

Elf Punkt, Elf Punkt

Elf, Punkt,
Elf, Punkt.

Gerunzelte Stirn, 
Angestrengtes Hirn, 
Angeknabberte Finger,
Beine wie ein Springer.

Ich weiß nicht,
Was die Zeichen soll’n.
Ich weiß nicht,
Was sie von mir woll’n.

Da frag ich mich zurecht: 
Sind die Punkte echt?
Sind die Einsen recht?

Vier Linien –
Von oben nach unten,
Bemalt mit bunten:

Lilien, 
Fuchsien,
Zinnien,
Lobelien.

Dazwischen getunkte,
Disjunkte,
Samenpunkte:

Akazie
Und Pinie.

Doch was soll es mir sagen?
Warum kann es so an mir nagen? 

Dieses Blumengesteck,
Dient gewiss einem Zweck!
Bloß habe ich ihn noch nicht entdeckt …
Oder ist er zu gut versteckt?

Ich muss es wagen!
Da seit Tagen
Mich die Fragen
Plagen –
Oder jagen?

Lächelnd kommst du rein und nickst. 
Nun fühle ich mich ausgetrickst. 
Wie du mir eine Botschaft schickst –
Mit einem einzigen Blick. 

Verständnis erblüht in mir, 
Lässt mich lachen mit dir. 
Wir kuscheln uns gemeinsam ein.
Lassen keine Kälte herein!

So war es doch vor vielen Jahren geschehen. 
Wir hatten uns erstmalig wahrhaftig gesehen. 

Danke für Dich.