Verschallendes Echo

Am Anfang ist alles glasklar,
Man sieht die Welt so wahr,
Man sieht alles, wie es ist,
Man hofft, dass man nichts vergisst.

Die Farben stechen grell hervor,
Die Töne schallen deutlich ins Ohr,
Gerüche vernebeln die Sinne,
Mittendrin eine vergängliche Stimme.

Die Stimme vom letzten Jahr.

Ja, der Anfang ist stets so offensichtlich.
Er wirkt gar so zuversichtlich.
Niemand erwartet Komplikationen,
Man rechnet mit Legitimationen,
Keine Frustrationen,
Nur Faszinationen.

Jedes Jahr …

Jedes Jahr dieselbe Geschicht‘,
Als gäbe es was anderes nicht,
Als sähe man die Wahrheit nicht,
Als habe man sich zuvor bloß nicht getraut,
Als wäre die Welt nun jedoch zu taub,
Als wäre die Zukunft verbaut …

Denn wie sonst könne man erklären,
Dass wir unsere eigenen Wünsche verschmähen?
Dass wir wie Affären,
Das Leben entehren?

Das Echo aus dem letzten Jahr ruft,
Dieselben Worte – wieder und wieder aus.

Das Echo aus dem letzten Jahr ruft,
Dieselben Hoffnungen hinaus.

Das Echo aus dem letzten Jahr verblasst …
Denn es sieht alle Möglichkeiten verpasst.

Möge das neue Jahr schaffen,
Was ihm selbst nicht vergönnt war.

Der kleine Kater Minki

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minki hieß nicht immer Minki.

Minki war einst ein kleiner Streuner. Ein schwarz-weißes Kätzchen ohne Zuhause. Seine Pfötchen waren so weiß wie Mehl. Auch Bäuchlein, Gesicht und Schwanzspitze wirkten wie bepudert! Allerdings sah man die Reinheit kaum unter dem ganzen verzottelten und dreckigen Fell.

Erst als ein Mann kam, um das kleine Raubtier von der Straße aufzulesen wandelte sich sein giftiges Antlitz. Endlich hatte das Kätzchen ein Zuhause. Es hatte Essen, das er sich nicht mehr aus dem Müll zerren musste. Er konnte sich putzen. Sich pflegen. War nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt. War nicht mehr einsam. Nicht mehr allein.

Und er bekam seinen Namen.

Minki.

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