Der sterbende Baum

Einst gepflanzt in satter Erde,
Auf dass es ein starker Baum werde,
Auf dass es wächst – hoch hinaus –
Breitet es die Äste aus.

Doch jedes Jahr kommt ein neuer Sturm.
Jedes Jahr kommt neues Verderben.
Jedes Jahr muss ein Spross sterben …

Der Sturm, er rüttelt am Turm,
An diesem Stamm, er knarrt,
An diesem Stamm, er schabt.

Er hat schon viele seiner Kinder gehen sehen.
Er konnte ihren Abschied nicht verstehen.
Er konnte ihnen nur nachsehen
Und blieb angewurzelt stehen …

Während die Samen Jahr um Jahr verwehen,
Blieb angewurzelt stehen.

Während die Äste Jahr um Jahr vergehen,
Blieb angewurzelt stehen.

Während sein Vermächtnis Jahr um Jahr verstarb,
Und der Baum der Realität erlag,
Welche Tag um Tag heran naht
Steht er doch in seinem eigenen Sarg.

In dem Sarg der Einsamkeit.

B: Die Kirche der alten Schule I

„Ich muss morgen mit Shiloh in die Kirche“, eröffnete Lilith ihrem Vater, als sie ihn morgens in der Küche vorfand, „Kannst du uns hinbringen?“

„Morgen?“, er schaute kaum von seinen Papieren auf, „In welche?“

„In die der alten Schule“, erklärte sie, „Das ist die von Tinas Vater. Am See der Tränen. Ich habe gehört, dass sie wirklich schöne Buntfenster haben und eine gewaltige Statur im See-  Das möchte ich mir gerne ansehen und-“

„Nein.“

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Timothy – Der Schatten der Wahrheit

Es dauerte mehrere Stunden, ehe Maria sich von Julie verabschiedete. Viel zu lange wollte sie bei ihrer Freundin ausharren und sich um diese kümmern. Dennoch stand Julie sofort aus ihrem Bett auf, sobald ihre Freundin sie endlich verließ.

Erschrocken wirbelte ich um Julie herum. Auch ich war der Meinung, dass sie sich ausruhen sollte! Ich wusste nicht, ob ich sie verletzt hatte. Immerhin war es das erste Mal gewesen, dass ich in einem anderen Menschen gesteckt hatte.

Dass ich für diesen gesprochen hatte …

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M: Die Rückkehr I

Angeline blieb unschlüssig vor ihrem Elternhaus stehen. Ihr Blick glitt über die verschlossenen Türen und Fenster. Dabei lauschte sie nach bekannten Stimmen. Nach einem Rufen aus dem Garten. Nach Tylers Lachen. Doch außer einem weit entfernten Bellen war nichts zu hören.

Nachdenklich zog sie ihren Hausschlüssel aus der Schultasche. Sie wusste nicht, ob ihre Mom sicherheitshalber die Schlösser ausgetauscht hatte. Sie hoffte nur inständig, dass sie notfalls immer noch den Ersatzschlüssel in der kleinen Box unter dem Küchenfenstersims finden würde. Sie wollte nicht zu lange vor dem Haus warten.

Nicht, solange sie ihr Versprechen noch nicht erfüllt hatte …

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Märchenstunde: Die letzte herzlose Tat II

Domini musste sich drei Tage gedulden, ehe er die Chance ergreifen konnte. Drei Tage, in denen er sich seinem Vater unterordnete und vor diesem auf dem Boden kroch. Drei Tage, in denen er sich über die kranken Taktiken des Mannes belehren ließ, mit denen er die Dörfer erpresste. Mit denen er sich stets all jenes nahm, was ihm nicht zustand.

Nach der Lektion am dritten Tag gab Domini vor, Kopfschmerzen zu haben und sich zurückzuziehen. Er behauptete, dass der Berg ihm Alpträume bescherte, weil er sich stets an die Taten aus der Nachfolgesuche erinnern müsse. Und dass er wohl nun eine Pause bräuchte.

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