Fujis endloser Morgen

Mittlerweile hasste Fuji den Morgen.

Erschöpft flog die kleine Wolke dem dämmernden Horizont entgegen. Seine Augen fokussierten sich auf einen kleinen Fleck in der Ferne. Dort hinten, dort konnte er schon ihren Schimmer ausmachen. Genau dort hinten würde Sabine erneut erscheinen.

Und sie würde sich wieder an nichts erinnern.

Betrübt blieb die kleine Wolke stehen und atmete tief durch.

Nein. So durfte er nicht an die Sache herangehen! Er durfte es nicht! Er musste sich zusammenreißen! Für sie. Für die Sonne. Für seine Sabine!

Sie war doch seine Freundin …

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Fujis Sabine

„Hallo, Sabine!“, grüßte Fuji die Sonne, als die ersten Strahlen nach einer weiteren Nacht über den Horizont krochen, „Wie geht es dir?“

„Huch! Hallo! Hallo! Hallo, oh schöne Welt!”, sang sie begeistert, ohne ihn zu erblicken, „Hallo! Oh! Schaut mal, wie hoch ich steigen kann! Schaut her! Schaut her!“

„Ja, das machst du toll, Sabine“, bestätigte er ihre Euphorie.

„Ich kann sogar- Moment. Sprichst du mit mir?“

Endlich senkte sich ihr Blick auf ihn und die kleine Wolke lächelte sie freundlich an.

„Natürlich, meine Freundin. Wie geht es dir, Sabine?“

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Mit Fantasie

Sieh nur, sieh!
Das errätst du nie!
Mit Fantasie
Erblickst du sie,
Die gesamte Galaxie!

Blau und Weiß sind ihre Farben,
Doch wollen sie’s bunter haben.

Rot und Rosa, Gelb, Orange-
Eine wahre Melange
Oder Revanche?

Eine Revanche an Ältere,
Die einst emporblickten,
Wunder abnickten,
Diese wegschickten,
Ihre Jugend abknickten.

Sie konnten die Bilder nicht mehr seh‘n,
Sie konnten die Märchen nicht versteh’n.

Stattdessen wurde der Blick gesenkt.
Die Arbeit hat sie seither beschenkt.
Die Bildung hat sie fortgelenkt.

Fantasie wollte keiner mehr haben.
Keiner wollte sich an Wundern laben.

Damit wurde der Himmel dunkel
Und man sah nachts nicht einen Funkel.
Der Mond verbarg sich im schwarzen Teer –
Wolkenbehangen wirkte es leer.

Eine Revanche an Ältere?
Aber doch auch an Jüngere!
Jüngere, die zu früh erblinden,
Die ihren Weg nicht finden,
Die die Tradition nicht überwinden,
Die sich stattdessen abschinden,
Und sich im Teufelskreis befinden.

Denn nur mit Fantasie,
Erblickst du sie:
Die einzigartige Galaxie.
Geschichten voller Magie.
Farben mit Melodie.
Welch Philosophie!

Oder gar Ironie?

Fujis Auferstehung

Manche Erinnerungen verblassen über Nacht – wie ein flüchtiger Traum, der sich in der Tür geirrt hatte. Andere vergehen mit der Zeit – wie ein Baum, der seine Äste schläfrig gen Himmel reckt. Am Ende sind sie alle nur wirre Schatten, die zwischen unendlich vielen Gedanken umherschwirren. Befangen flattern sie durch den Geist. Nehmen unklare Formen an. Erkennen das Déjà-vu. Lassen es im Winde vergehen. Schweben in Nostalgie, die sie nicht verstehen …

Das Leben ist zu kurz für eine solche Gedankenflut.

Die Wassertropfen schoben sich näher zusammen. Unruhig flogen sie durch die Atmosphäre – verzerrt von Wind und Wetter. Die kleine Wolke hatte sich erst vor Kurzem gebildet und wäre seitdem schon mehrere Male beinahe von größeren verschluckt worden! Unwillkürlich traf sie stattdessen auf eine kleinere und verschmolz mit dieser.

Es krachte.

Gewaltig ragte eine finstere Wolke neben ihr auf und strich wortlos an ihr vorbei. Zwischen ihnen prickelte die Luft. Die Atmosphäre versuchte, Nieser aus ihnen zu kitzeln. Der Wind juckte. Die Sonne versteckte sich hinter einem Schleier von grauen, dunklen Massen.

Das Bild von einem freudigen Feuerball schoss durch den Kopf der kleinen Wolke.

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