Minki und die Schränke I

(Nach sehr vielen wahren Geschichten)

Minkis Hobbys waren eher begrenzter Natur. Immerhin schränkte die Stadtwohnung viele seiner Freiheiten aufs Diabolischste ein. Die Fenster blieben über die meiste Zeit verschlossen, die Tür nach draußen verriegelt, der Besuch fiel viel zu mickrig aus und keiner dieser Gäste wusste seine Anwesenheit angemessen zu würdigen!

Alles in allem hatte der Kater nur wenige Möglichkeiten, sich den Tag zu versüßen. Klar, er konnte sein Fell auf den Polstern hochwürgen oder sich Essen stehlen, Wände ankratzen, auf die eckigen Bäume klettern und dort Dinge runterkicken oder mal versehentlich das Katzenklo verfehlen. Aber irgendwie war der Frau seines Retters immer viel zu schnell bewusst, dass er der Übeltäter hinter alledem war.

Die alte Zweibeinerin hatte ihn bereits mehrfach fluchend den Flur hinuntergejagt und mit diesen lästigen Kittelträgern oder Essensverboten bedroht. Es waren Horrorvorstellungen, auf die unser Protagonist dankend verzichten konnte.

Wie gut, dass Minki also kein gewöhnlicher Kater war. Während die meisten Exemplare seiner Art sich wohl schlafend zusammengerollt und ihr Schicksal in allen neun Leben akzeptiert hätten, so entschied er sich stattdessen, seinen Horizont zu erweitern.

Wenn auch nur, um es dieser felllosen Monstrosität heimzuzahlen.

Also beobachtete er die Zweibeinerin. Er begutachtete jede ihrer Bewegungen. Analysierte ihr Verhalten gegenüber den anderen. Lernte sie zu verstehen. Ließ sich keine Irritation anmerken, als sie sich komische Zweige auf die Nase legte. Oder als sie diese mobilen Felle mit einem heißen Stein bestrich. Oder als sie die eckigen Bäume öffnete, um Dinge darin zu verstauen.

Mit teuflischen Gedanken schloss er die Augen und tat so, als hätte er nichts bemerkt. Er durfte sich vor der Felllosen nicht verraten, ansonsten würde sie viel zu früh seine Pläne vereiteln!

Er musste unschuldig wirken.

Die nächsten Tage verstrichen wie im Fluge. Denn Minki war damit beschäftigt, ein neues Handwerk zu erlernen. Ein Handwerk, das er so oft beobachtet hatte, dass er es eigentlich bereits beherrschen musste. Es war eine Meisterkunst, die er beabsichtigte zu perfektionieren. Eine einzigartige Leistung, die ihm ein wundervolles, neues Hobby bescheren würde.

Der Kater musste nur noch dieses kalte Stück Metall seinem Willen unterwerfen, es drehen und dann-

DA!

Schnurrend begutachtete er die ersten Lorbeeren seiner harten Arbeit. Er beschnupperte den Inhalt des eckigen Baumes. Die Tücher, den Keramik, die anderen Tücher… Nichts davon roch essbar, aber das war ja auch nicht sein Ziel gewesen. Ein Stück Fleisch oder etwas Katzenfutter wäre einzig die prachtvolle Kirsche auf dem ansonsten bereits extravaganten Kuchen gewesen.

Nein. Minkis Plan war von langfristigerer Natur. Er hatte gesehen, wie sich die Zweibeinerin mit der Jüngeren gestritten hatte, weil diese ihr Zeug auf dem Boden rumliegen ließ. Sie bekam häufig wegen ihrer Unordnung Ärger. Wegen den Fellen, die sie achtlos auf den Gang schmiss oder der Tasche, die dann den Zugang zum Esszimmer blockierte… Nun aber? Nun würde sie zusätzlich noch für seine Unordnung bestraft werden. Er musste nur dafür sorgen, dass alle sich auf die Tochter seines Retters konzentrierten, um selbst nicht in die Schussbahn zu gelangen.

Immerhin sollte es sich doch lohnen, dass er gelernt hatte, diese eckigen Bäume aufzuschließen. Es war nicht einfach gewesen, mit den Pfoten diesen Schlüssel zu packen, zu drehen und dann noch daran zu ziehen.

Die Zweibeiner würden seine Tücke nie erkennen!

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