Es war früher Nachmittag, als Scute die Dorfgrenze überschritt. Dabei hielt er sein Haupt erhoben. Die Kapuze ruhte gut sichtbar auf seinem Rücken. Seine Schritte richtete er entschlossen vorwärts. Entschlossen, obwohl er eigentlich gar nicht wusste, warum er sich für den Auftrag der weißen Schlange unter die Menschen mischen sollte.
Angespannt umkreiste ich Julie. Ich konnte nicht anders. Ich musste bei ihr bleiben. Ich musste sie beschützen. Für sie da sein!
Dabei konnte sie mich nicht einmal sehen …
„Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid“, flüsterte ich in die Nacht hinein.
Denn ich hielt mich für schuldig. Schuldig, nicht bei Timmy geblieben zu sein. Schuldig, ihn nicht beschützt zu haben. Schuldig, ihn sterben gelassen zu haben.
Bacchus lauschte die ganze Nacht lang der Musik. Sie befreite ihn von seinen Sorgen. Er ließ sich von ihr wiegen und umweben und als die Sonne aufging, lächelte er das ungewöhnliche Wesen dankbar an.
Es war haarig. Seine Beine ähnelten denen eines Lastentiers und die abgerundeten Hörner auf seinem Kopf hatten etwas Bedrohliches. Es trug keine Kleidung – die brauchte es auch bei dem ganzen Pelz nicht. Jedoch hingen zwei lose Gürtel über seiner Brust gekreuzt, an denen kleine Beutel und Flaschen baumelten.
„Fürchtest du dich nicht?“, unterbrach das Geschöpf sein Lied, als es den Blick bemerkte.
Obwohl Bacchus sich unwohl fühlte, schüttelte er den Kopf. Eigentlich war ihm alles Fremde verboten worden. Den ländlichen Bauern gefielen neue Ideen nicht. Deswegen hielten sie sich von den Wäldern fern. Es gab immer nur dieselben Flüsse, von denen man Wasser holte. Es gab immer nur dieselben Felder, die bearbeitet wurden. Und es gab immer nur dieselben Routen, denen die umherwandernden Bauern folgten.
Sich zu weit von der Gruppe zu entfernen, den Wald zu betreten oder gar mit einem fremden Wesen zu sprechen … Wie viele Regeln er in der letzten Nacht wohl gebrochen hatte?
„Wenn ich mich fürchte, dann nicht vor dir“, antwortete er geschmeidig.
Ich fand Jane neben ihrem Vater. Schroff wies er sie zurecht, weil die Waren nicht ordentlich festgebunden waren. Er meinte, dass sie etwas unterwegs verloren hätten, dass er Jane am liebsten zu Fuß durch den Schnee jagen wollte, bis sie es wiederfand!
Ein Teil von mir, hätte sich darüber gefreut. Dann könnte sie dem Pfarrer und diesem dummen Exorzisten entkommen!
Aber wenn sie starb …
„Verzeihung. Es wird nie wieder vorkommen, Vater“, sprach sie so gefasst und unterwürfig, dass es mir wehtat.
„Das hoffe ich für dich!“, fluchend wandte er sich endlich ab.
Erst danach sah sie auf. Ein eigenwilliger Gesichtsausdruck begrüßte mich. Er schrie von Ungerechtigkeit. Von Angst. Von Schmerzen.