Des Traumes Feder

Werden Augen geschlossen,
Werden Träume gegossen,
Wird die Tinte vergossen,
Die Feder, sie schreibt.

Das Luft ist Papier,
Die Farbe ist Zier,
Der Zauber ist hier,
Die Feder, sie springt.

Gemalt werden Berge,
Gemalt werden Wälder,
Gemalt werden Täler,
Die Feder, sie tanzt!

Erzählt werden Märchen,
Von verzauberten Pärchen,
Von hungrigen Bärchen!
Die Feder, sie bibbert …

Gruselig wird’s dabei auch,
Das ist ein fester Brauch.
Aber da folgt der Rauch!
Die Feder, sie jauchzt!

Der Horror ist verborgen,
Sie muss sich nicht mehr sorgen,
Freut sich auf den Morgen …
Die Feder, sie seufzt.

Die Tinte ist leer,
Das Ende muss her.
Es fällt ihr schwer-

Doch die Feder, sie fällt
Und der Traum zerfällt.

Tintenfleck

Tropf! Heck!
Tintenfleck!
Geht nimmer weg.

Nicht vornehmlich,
Nein!
Sondern hämisch,
Glänzt es obendrein!

Sollte dort das Papier doch weiß bleiben.
Sollte dort doch die Pause verweilen.
Die Pause, die dem Satz
Vermacht einen Schatz.

Und nun?

Nun findet sich ein fetter Fleck
– ein Schreck! –
Und erfüllt keinen einzigen Zweck.

Die Tinte zerrinnt.
Die Farbe beginnt,
Fort zu fliehen,
Muster zu ziehen.

Ein Strich dort.
Ein Kringel hier.
Eine Gabelung da.
Ein Gewirr vor mir.

Etwas Wirres?
Etwas Schönes.
Etwas Einzigartiges!
Etwas-

Etwas, das mein Herz erstrahlt,
Während es munter weitermalt.

Ich muss wohl redigieren
Und darf es nicht mehr korrigieren.

Dieser Tintenfleck
Kommt hier nicht weg.
Er ist auf diesem Papier
Richtig bei mir.  

Zwischen den Seiten

Zwischen den Seiten
Finden sich:
Mehrere Verse, Zeilen,
Desselben Gedichts.

Das Papier duftet nach Altem,
Weiß sich kaum zusammenzuhalten.
Weiß sich kaum zu offenbaren.
Versteckt sich in vergessenen Tagen.

Doch die Tinte,
Und die Worte
Über ferne Orte,
Über ferne Welten,
Über fremde Wesen,
Die alles anders sehen,
Die anders fühlen,
Die im Licht verglühen,
Deren Hoffnungen und Träume,
Und deren sozialen Zäune,
Uns mit sich reißen.

Wie mögen sie heißen?

Es raschelt,
Aufgestachelt
Flattert das Papier
Fort von mir.

Die nächste Seite wartet gewiss.
Und darauf ein wunderbarer Bliss.