B: Checked-In

Die Fahrt im Auto verlief angespannt. Angespannt aber erleichtert. Chemy hatte sich zu Olivers Vater nach vorne gesetzt, während Tina, Shiloh und Oliver sich mit Lilith hinten ins Fahrzeug gequetscht hatten. Wahrscheinlich waren ihm die anderen Jugendlichen zu suspekt gewesen. Vielleicht waren sie und Oliver ihm zu nass. Oder er musste noch seine Gedanken ordnen. Vielleicht hatte er deswegen das Zwischenfenster der Limo nach oben gefahren?

„Du wärst fast gestorben …“, hauchte Tina nach einer Weile aus.

Unschlüssig sah Lilith zu ihr herüber. Dann nickte sie.

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B: Die stillen Worte II

Es war nach neun Uhr abends, als Lilith endlich nach Hause kam. Oliver hatte sie noch bis zum Tor gebracht. Er hatte darauf bestanden. Falls ihr Ziehvater wieder schimpfen würde, da sie zu spät käme. Doch hätte sie sich nicht sorgen müssen:

Das Haus war leer.

Nachdenklich ging Lilith auf ihr Zimmer und stellte ihre Tasche ab. Dann schleppte sie sich ins Bad, um sich etwas Wasser ins Gesicht zu werfen. Still starrte sie auf ihr Spiegelbild. Auf diese müden Züge, die so alt und jung zugleich auf sie wirkten.

„Ich bin ich und bin es doch nicht“, sie seufzte, „Macht voll Sinn, oder?“

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B: Liane und Lilith

Gedankenverloren beobachtete sie ihren Lehrer. Es ging um Mathematik. Funktionen und Schnittpunkte. Themen, die nur bedingt ihre Aufmerksamkeit halten konnten. Dennoch schrieb sie artig das Tafelbild ab und tat so, als würde sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren.

„-ne? Liane?“

„Ja?“, sie unterdrückte den Drang ihn zu korrigieren und sich Lilith zu nennen.

„Kannst du deine Lösung für 3b mit uns teilen?“, fragte der Lehrer genervt.

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B: Ein Teil der Vergangenheit

„Aber du erinnerst dich nicht mehr richtig, oder?“

Sie ließ sich auf sein Bett fallen. Auf Lucas‘ Bett. Zum ersten Mal konnte sie die medizinischen Geräte richtig erblicken. Eines zeichnete verschiedene Werte auf. Ein anderes versorgte ihn mit einem Plastikschlauch. Daneben war noch eines mit einer Atemmaske. Eine, die er extra für sie abgesetzt hatte, wenn sie die schwingenden Schlaufen daran richtig einschätzte.

„Ich … Ich erinnere mich, Lilith Bach gewesen zu sein. Aber hier bin ich Liane Rivers. Nur fühlt sich der Name nicht richtig an. Er-“

„Weil du immer noch Lilith bist.“

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B: Mutter, Vater, Kind und Traum

Lianes Vater blieb schweigsam, bis sie im Auto saßen. Er hatte nur ein paar Worte zur Verabschiedung gemurmelt. Für mehr hatte er zu müde gewirkt. Zu ausgelaugt. Zu angespannt.

So ähnlich wie Mr. Brume, wenn sie so darüber nachdachte.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Liane, als das Auto auf die Straße bog.

„Huh?“

„Mit dir und … Hast du dich mit deinem Kollegen gestritten? Ihr wirktet beide so … schroff?“, erkundigte sie sich weiter, „Oder ist es, weil ich bei Oliver war? Ich wollte nicht-“

„Du kannst nichts dafür“, unterbrach er sie, „Es ist nur ein kleines Missverständnis. Nichts weiter. Ja?“

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