Es war früher Nachmittag, als Scute die Dorfgrenze überschritt. Dabei hielt er sein Haupt erhoben. Die Kapuze ruhte gut sichtbar auf seinem Rücken. Seine Schritte richtete er entschlossen vorwärts. Entschlossen, obwohl er eigentlich gar nicht wusste, warum er sich für den Auftrag der weißen Schlange unter die Menschen mischen sollte.
Michael wollte schreien! Er hatte seinen Weg zurückverfolgt. Jeden einzelnen Schritt. War wieder über die Mauer gestiegen. War dahinter kurz zusammengebrochen. Hatte sich dennoch zusammengerissen. Hatte die Schmerzen verdrängt, die die Tabletten noch nicht bändigen konnten. War sogar fast wieder in das Haus eingebrochen, in dem er den verrückten Polizisten zurückgelassen hatte, um dort nochmal nach seiner Kette zu suchen!
Doch vereitelte ein Nachbar seine Pläne. Er hatte den Verrückten gehört. Hatte die restliche Polizei verständigt. Jene Personen, vor denen Michael sich verstecken musste …
Erschöpft lehnte er sich gegen einen Baum ein paar Grundstücke weiter.
Scute tastete das ausgetrocknete Flussbett mit einem langen Stock ab. Er musste seinen ganzen Weg über hineinstochern. Nur um herauszufinden, wo die Erde noch matschig war. Wo sich die Schlammpfützen versteckten. Und wo er seine Füße sicher absetzen konnte. Erst als er auf der anderen Seite des Flusses ankam, konnte er damit aufhören.
Nachdenklich schaute er zurück. In zwei Tagen würde hier wieder der reißende Fluss hindurch peitschen. Davor musste er das Heilmittel für seine Großmutter finden. Das hatte die Wahrsagerin prophezeit.
Ausgehend von links, Ausgehend von rechts, Treffen sich beiderlei Schritte Auf des Übergangs Mitte.
Die Brücke verbindet unsere Seiten, Sie lässt uns hinüberschreiten. Denn nirgends sonst ist ein Weg, Und nirgends sonst ist ein Steg, Über das endlose Gewässer Mit Steinen wie Messer.
Fordernd recken sie sich empor, Schauen aus Wellen hervor. Sie besiegeln das Ende, Wenn ich mich abwende, Wenn das Geländer nicht wär‘, Wenn ich die Lücken verehr‘ …
Schluckend blicke ich fort, Sehe in der Ferne dein Ressort. Es steht am Ende der Brücke, Hinter der einst so weiten Lücke, Die ich nun überbrücke!
Aber der Übergang ist federig. Der Übergang ist wackelig. Der Übergang ist moderig-
Auf meiner Seite.
Bei dir sieht es anders aus. Bei dir fehlt der düst’re Graus. Dort glänzt Marmor wie Mondenschein, Während mein Holz hier vor Pein
Schreit, Weint, Stirbt …
Die Brücke hat zwei Pfeiler, Zwei Seiten die sie stützt, So wird der Übergang beschützt.
Die Brücke hat zwei Pfeiler, Zwei Seiten – von jedem eine, Zwei Seiten – auch von mir eine.
Die Brücke hat zwei Pfeiler, Der drüben ist perfekt, Während meiner schon verreckt …