Scute verließ das Dorf inmitten der Dunkelheit. So gefiel es ihm am besten. So musste er die wenigsten Fragen beantworten und musste sich fast nie mit den Einheimischen streiten, um einen ruhigen Schlafplatz zu ergattern. Auch die Dunkelheit machte ihn kaum zu schaffen. Die weiße Schlange lenkte eh seine Schritte, wenn sie von ihrem Ziel überzeugt war.
Und das derzeitige Ziel war ihr wichtiger als alles andere.
Es war früher Nachmittag, als Scute die Dorfgrenze überschritt. Dabei hielt er sein Haupt erhoben. Die Kapuze ruhte gut sichtbar auf seinem Rücken. Seine Schritte richtete er entschlossen vorwärts. Entschlossen, obwohl er eigentlich gar nicht wusste, warum er sich für den Auftrag der weißen Schlange unter die Menschen mischen sollte.
Michael wollte schreien! Er hatte seinen Weg zurückverfolgt. Jeden einzelnen Schritt. War wieder über die Mauer gestiegen. War dahinter kurz zusammengebrochen. Hatte sich dennoch zusammengerissen. Hatte die Schmerzen verdrängt, die die Tabletten noch nicht bändigen konnten. War sogar fast wieder in das Haus eingebrochen, in dem er den verrückten Polizisten zurückgelassen hatte, um dort nochmal nach seiner Kette zu suchen!
Doch vereitelte ein Nachbar seine Pläne. Er hatte den Verrückten gehört. Hatte die restliche Polizei verständigt. Jene Personen, vor denen Michael sich verstecken musste …
Erschöpft lehnte er sich gegen einen Baum ein paar Grundstücke weiter.
Scute tastete das ausgetrocknete Flussbett mit einem langen Stock ab. Er musste seinen ganzen Weg über hineinstochern. Nur um herauszufinden, wo die Erde noch matschig war. Wo sich die Schlammpfützen versteckten. Und wo er seine Füße sicher absetzen konnte. Erst als er auf der anderen Seite des Flusses ankam, konnte er damit aufhören.
Nachdenklich schaute er zurück. In zwei Tagen würde hier wieder der reißende Fluss hindurch peitschen. Davor musste er das Heilmittel für seine Großmutter finden. Das hatte die Wahrsagerin prophezeit.