Verschluckt

Der Wind rennt durch Äste, durch Blätter.
Er singt vom stürmischen Wetter.
Er tanzt zu seinem eigenen Lied,
Ein Lied, das nur er liebt.

Denn der Rhythmus ist fordernd,
Denn die Töne sind lodernd,
Denn die Melodie ist in Moll.
Denn so zahlst du den Zoll.

Den Zoll des Verschluckens.
Den Zoll des Geheules.
Den Zoll des Verbergens.
Den Zoll des Diebstahles!

Der Wind ist ein Dieb!
Ein Dieb, den niemand sieht.
Ein Dieb der Worte.
Ein Dieb mit forte!

Sprichst du leis,
Hört man dich nicht.
Brüllst du laut,
Lacht er dir ins Gesicht!
Er achtet keinen Schweiß,
Verschenkt lieber stets Laub –

Blätter mitten in den Mund,
Eh er sich lacht rund!

Der sterbende Baum

Einst gepflanzt in satter Erde,
Auf dass es ein starker Baum werde,
Auf dass es wächst – hoch hinaus –
Breitet es die Äste aus.

Doch jedes Jahr kommt ein neuer Sturm.
Jedes Jahr kommt neues Verderben.
Jedes Jahr muss ein Spross sterben …

Der Sturm, er rüttelt am Turm,
An diesem Stamm, er knarrt,
An diesem Stamm, er schabt.

Er hat schon viele seiner Kinder gehen sehen.
Er konnte ihren Abschied nicht verstehen.
Er konnte ihnen nur nachsehen
Und blieb angewurzelt stehen …

Während die Samen Jahr um Jahr verwehen,
Blieb angewurzelt stehen.

Während die Äste Jahr um Jahr vergehen,
Blieb angewurzelt stehen.

Während sein Vermächtnis Jahr um Jahr verstarb,
Und der Baum der Realität erlag,
Welche Tag um Tag heran naht
Steht er doch in seinem eigenen Sarg.

In dem Sarg der Einsamkeit.

B: Mr. Belial

„Er wirkt total ausgewechselt“, flüsterte Shiloh ihr zu, sobald sie allein waren.

Liane schaute dennoch zur Küche herüber. Dorthin, wo ihr Vater verschwunden war. Um etwas Obst aufzuschneiden, ehe er losmüsse. Nur um sicher zu gehen.

„Das geht nun schon zwei Wochen so“, erklärte sie ihrer Freundin, während sie sich hinter einem Schulbuch versteckte, „Seit dem Sturm.“

„Du meinst, seit du bei Oli warst? Oder seit der Sache mit Betty?“, erkundigte sich ihre Freundin wieder.

Weiterlesen

B: Abgeschnitten

Drei Tage musste Liane bei den Brumes bleiben, obwohl nur eine Nacht angedacht war. Es waren drei ungeplante Tage, in denen sie Olivers Eltern besser kennenlernte. Drei warme Tage, die sie dem Unwetter zu verdanken hatte.

Der erste Regen war zum Abendessen vor der ersten Nacht gefallen. Es waren dicke Tropfen gewesen, die fordernd gegen die Fenster klopften. An sich war es nichts Ungewöhnliches. Centy erlebte immer wieder kräftige Regenschauer, die vor dem angrenzenden Gebirge niederprasselten. Gegen Mitternacht setzten jedoch auch heftige Winde und kurz darauf sogar noch Hagel ein.

In den frühen Morgenstunden hatte die Regierung eine Ausgehsperre verhängt.

Weiterlesen

Timothy – Das Vorhaben

Timmy kam erst in den frühen Abendstunden zurück. Begeistert erzählte er Julie von seinem Tag. Und von dem Fischer, dem er helfen durfte. Er wäre ziemlich streng gewesen. Aber er hatte ihm einen guten Lohn gezahlt, dafür, dass er eine bloße Schriftrolle überbrachte. Genug, damit er ein ganzes Laib Brot kaufen konnte!

Stolz brodelte geradezu aus ihm heraus, während er jedes Detail wiedergab. Es war nur eine kleine Aufgabe gewesen – aber er hatte sie allein erfüllt. Und er hatte sich dadurch etwas Essbares verdienen können!

Unschlüssig schob ich meine Erkenntnisse über unsere Nachbarn beiseite, während er mit Julie aß. Ich wollte sie nicht ablenken. Dennoch bemerkte ich, wie Timmy immer wieder fragend zu mir herüber sah. Als würde er ahnen, dass ich mich unwohl fühlte.

Weiterlesen